Schlechte Kost

Sooo, jetzt bin ich schon fast am Ende meines ersten kleinen Projekts angelangt und ich muss sagen es macht wirklich Spaß.

Heute geht es um das unheimlich appetitliche Thema: Schlechte Kost!
Und mit schlechter Kost meine ich jetzt nicht zu weich gekochte Nudeln oder versalzene Suppen.
Nein. Ich meine wirklich wirklich schlechtes Essen.
Die Art von schlechtem Essen an die man sich noch Jahre später schmerzhaft zurückerinnert und sich jedes mal wieder der Magen umdreht, weil man nicht mal den Geruch aus der Nase bekommt.

Als aller erstes solltet ihr wissen, dass ich gerne esse. Ich liebe essen, ich esse so gut wie alles und bin experimentierfreudig.
Ich könnte eine Ode an das Essen schreiben.
Gerade jetzt, wo ich an die ganzen Köstlichkeiten denke die die Welt so zu bieten hat, bekomme ich schon wieder Hunger…

Aber leider leider soll es heute nicht um frische Steaks gehen. Auch nicht um knackigen Salat oder geschmolzene Schokolade.
Heute geht es um Essen bei dem man sich hinterher überlegt ob man je wieder etwas in dieser Art anfassen kann.

Ich habe dafür drei Dinge rausgesucht.
1. das Chicken-Trauma

2. Pilaw

3.Hamburger kubanischer Art

Das klingt alles nicht so schlimm. Aber glaubt mir,es war schlimm.

Der Chicken-Albtraum ist mir damals in Sri Lanka wiederfahren.
Ich war nie ein besonders großer Hühnchenfleischfan. Aber es hat mich auch nicht gestört wenn es Hühnchen gab. Hühnchen kann ja sehr lecker sein. Nur wenn ich die Wahl gehabt hätte zwischen Hühnchen und etwas Anderem, wäre meine Wahl wohl meistens auf das Andere gefallen.
Als ich nach Sri Lanka kam, merkte ich schon früh, dass das am häufigsten vertretene Fleisch Hühnchen war.
Hühnchen-Curry, Hühnchen-Snacks und es wurden sogar Hühnchen-Doughnuts angeboten.
Am Anfang macht man das alles noch gerne mit ( bis auf die Doughnuts!!!) und genießt die Küche. Aber nach einer Weile wird man des Hähnchens müde und wenn dann als Überraschung Kentucky Fried Chicken nach Hause gebracht wird, hat man Mühe sein Lächeln überzeugend rüberzubringen.
Long story short: Mein Körper wurde in dreieinhalb Wochen bis zum Rand mit wabbeligem Hähnchenfleisch abgefüllt. So schlimm, dass ich Zuhause sogar das Knusperhühnchen verschmähte und Hühnchen im Allgemeinen aus dem Weg ging wo auch immer es mir möglich war.

Manchmal gibt es Situationen in denen ich mal wieder Hühnchenfleisch essen muss, und dann nehme ich dieses Taube-farbene Fleisch eben zu mir. Aber eigentlich ist Hühnchen bei mir das Reisefleisch. In den meisten Ländern wird überall Hühnchen angeboten und wenn es nur im Urlaub ist, dann kann ich das noch ertragen, aber ansonsten soll man mir bitte mit dem Zeug vom Leib bleiben.

 

Nun zum Pilaw!
Pilaw ist ein usbekisches Gericht mit viel Potenzial. Leider völlig unausgeschöpftem Potenzial.
Pilaw ist im Grunde nichts anderes als ein Berg Reis mit Soße und Fleisch.
Das usbekische Nationalgericht. Jetzt fragt ihr euch vielleicht was man da schon groß falsch machen kann.
Traurigerweise alles.
Halb ungekochter Reis ist ein erträglicher Anfang. Auch das mit der merkwürdigen Soße kann man noch irgendwie ignorieren. ( Unauffällig die mit Soße übergossenen Teile auf verschiedene Teile des Tellers schieben und nur den Kern essen). Aber der undefinierbare Haufen Etwas das die Krönung des Ganzen darstellt, kann man kaum ignorieren.
Egal wie oft ich oder meine Mitreisenden versuchten herauszufinden was für eine Fleischsorte das denn genau darstellen sollten, es ist bis heute ein ungelöstes Rätsel.
Vielleicht ein fall für Gallileo Mystery?

Von Hoden bis Hund trauten wir diesem merkwürdigen Haufen alles zu. Zumindest aber, konnten uns unsere Gastgeber zweifellos versichern, dass es sich um Fleisch handelte.

Die Konsistenz war meist gummiartig und alles hatte eine beige-ähnliche Farbe. Manchmal fand man kleine Knöchelchen oder biss auf ein unerwartet weiches Stück.
Dann kam ein völlig neues Level an schrecklichem Geschmack und man wusste nicht so ganz ob man ausspucken oder runterschlucken sollte. Wobei bei der Klärung dieser Frage auch geklärt werden musste, ob man überhaupt fähig war, das einfach zu schlucken.

Wenn das Pilaw ohne Soße gereicht wird, ist es ziemlich trocken, wenn mit dann nicht, aber dafür wird ein Detail mehr hinzugefügt, das man besser weggelassen hätte.
Ich will eigentlich gar nicht mehr sagen.
Bildet euch eure eigene Meinung oder wenn ihr schlau seid, dann verzichtet ihr darauf und vertraut mir einfach.
Pilaw ist definitiv kein Muss!! ( aber ansonsten kann ich die usbekische Küche aber schon empfehlen( ist halt sehr Fleischlastig)).

 

Und nun zum absoluten Albtraum eines jeden Gaumens.

FASTFOOD IN CUBA!

Rührt es nicht an. Riecht nicht mal dran. Oder am besten ist, ihr schaut es euch gar nicht erst an.

Es fing alles auf dem Hinflug nach Kuba an.
Irgendwann kurz vor der Ankunft wurde als letzet Snack eine kleine Minipizzabox gereicht. Was ich an sich immer noch für eine gute Idee halte.
Aber nach dem ersten Bissen war ich schon fertig. Es handelte sich nicht um Pizza, sondern um weich-wässrigen Teig mit ungekochtem Belag und ein bisschen käseartigem Etwas oben drauf.
Ich schob es auf die Tatsache, dass es sich um Flugzeugessen handelte.
Aber leider leider lag es nicht daran.
Auch später auf der Insel stellte sich Pizza als ein Fehler heraus. Das hat einfach nichts gemein, mit der Pizza wie wir sie kennen.
Aber so ignorant wie das auch klingen mag: Es ist nichts was man kennenlernen muss!
Die Pizza war aber gar nicht das Problem. Die habe ich halt ein paar mal probiert und notgedrungen gegessen. Obwohl es sich zwar so angefühlt hat, als würde ich nicht völlig gesund aus der Sache herauskommen, habe ich es unbeschadet überstanden.

Was selbst mein trainierter und nicht wirklich sensibler Magen nicht vertragen hat, waren die Hamburger.
David, Pablo, Mileidi und ich haben uns in einer Nacht nach ein paar Salsas auf die Suche nach Essen gemacht. ( Meistens wird eh nur Rum verkauft).
Jedenfalls waren wir aber irgendwann erfolgreich und standen vor einem der typisch kubanischen kleinen Kiosks, die eigentlich mehr ein Hauseingang als ein Laden sind.
Wir versuchten ein paar der Dinge vom Menü zu bestellen, aber die gingen alle eben einfach nicht mehr. ( Es war sowieso mehr als die Hälfte des Menüs durchgestrichen).
Also nahmen wir dann Hamburger.Eigentlich hatte ich nicht mal Hunger, aber ich esse nun mal einfach gerne und dachte ein kleiner Snack könnte nicht schaden.
Fehler. GROSSER FEHLER.

Schon während ich den Burger aß, Kam mir ein paar mal der Würgereiz und mein Magen rebellierte. Ich wollte mich allerdings nicht so anstellen und als nordeuropäisches Mädchen hat man ganz schnell den Ruf einer wählerischen Tussi weg.
Also aß ich tapfer. Es handelte sich um irgendein fast komplett rohes Fleischgemisch, irgendein wahrscheinlich ungewaschenes Gemüse und fast ungebackenen Brotteig.
Mein Magen drehte sich und drehte sich und drehte sich. So oft, dass mir fast schwindelig wurde. Ich schob es auf das Tanzen und das Mittagessen.

Doch schon Zuhause wusste ich, der Burger würde noch viel Ärger bedeuten.
Mein Magen wehrte sich auf alle möglichen Art und Weisen die ihm einfielen und mir ging es wirklich wirklich schlecht am nächsten Tag.
Ich schleppte mich von Vedado, wo ich wohnte, in die Innenstadt da ich dort eine Verabredung hatte und schaffte es nur zu Pablos und Davids Wohnung. Ich hatte sowieso noch Pablos Pulli, da er mir diesen immer auslieh, und wollte die Chance nutzen mich kurz aufs Sofa zu legen ehe ich meine Freunde traf.
Pablo sah elendig aus.
Mit Augenringen bis zum Kinn und Schweiß auf der Stirn öffnete er die Tür.
Anscheinend sah man mir schon an, dass ich in einem furchtbaren Zustand war und er deutete auf das Sofa und meinte nur “Ich hab heute auch keine Pläne mehr und unsere Klospülung funktioniert momentan”.
Wir legten uns also aufs Sofa und suhlten uns in unserem Elend. Beiden war noch nicht klar, dass alles von dem Hamburger kam.
Doch als schließlich David und Mileidi rein kamen und sich sofort in einer Ecke zusammenkauerten wurde es uns klar.

Der Hamburger war Schuld an all dem Elend.
Wir dachten wir würden sterben. Irgendwo zwischen Toilette und Dehydriert einfach zusammenbrechen.
Wir schickten schließlich einen Bekannten los um uns etwas zu Trinken zu besorgen doch er fand nur Saft und das machte es nicht besser.
Uns unsere Schläfen massierend warteten wir also auf Besserung. Irgendwann funktionierte auch die Wasserleitung mal wieder nicht mehr und wir dachten über unser Testament nach ( da uns alles lieber gewesen wäre, als kubanische Krankenhäuser).

Zwei Tage und viele Tabletten aus meiner Reiseapotheke später, aßen wir dann schließlich trockenes Brot und Salat.

Körperlich habe ich diese Erfahrung vielleicht überstanden, aber eine Blockade wenn es um Hamburger geht habe ich trotzdem mitgenommen. Und meinen lieben Freunden geht es nicht anders. Wir haben von dem Tag an, lieber auf Essen verzichtet, als wieder kubanisches Fastfood zu kaufen.

 

 

Das wars mal wider für heute.
Das nächste Mal fange ich vielleicht mit einem Projekt an, dass ich “Tamy talks to…”nennen werde und in dem ich die Geschichten von Leuten erzählen werde, die mich inspirieren.

Vorher werde ich noch versuchen, alle meine bisherigen Artikel aufs Englische zu übersetzen. Also seid bitte nachsichtig, wenn es bis zum nächsten Mal etwas länger dauert.
Bis bald!!

 

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Böses Wetter.

Böses Wetter. Was soll man dazu noch sagen?
Das hat uns vermutlich alle schon einmal im Urlaub getroffen und ihr habt ja auch schon eine meiner Schlechtwettergeschichten gelesen.
Also habe ich mir überlegt, einfach eine Liste zu erstellen von Dingen, die man bei schlechtem Wetter tun kann.

Habe ich überlegt, angefangen und verworfen.

Wäre ja genauso wie all’ die anderen Schlechtwetterlisten.
Spiele, Bücher, Indoor-Aktivitäten, etc.
Es gibt bereits zahlreiche dieser Listen und Tipps.
Wenn ihr so eine Liste wollt, erstelle ich gerne eine.
Aber ich fand meine Vorschläge jetzt nicht unbedingt kreativ und mein googeln bestätigte mir, dass alle diese Listen im Grunde dasselbe beinhalten und vorschlagen.

Schlechtes Wetter ist nervig, aber hat den unglaublichen Vorteil, dass man fast überall völlig alleine ist. Es gibt keine bessere Zeit für viel besuchte Sehenswürdigkeiten oder um beispielsweise über den Times Square zu schlendern.

Zu vermeiden sind Shopping-Malls und vielleicht auch die großen Museen o.ä.
Eigentlich ist es aber auch schön, einfach mal im Hotel oder so zu bleiben,sich ein bisschen auszuruhen und Kraft für den nächsten Tag zu sammeln. Außerdem kann man die gesammelten Eindrücke sacken lassen und hat Zeit sich um sich zu kümmern oder um das Buch zur Hand zu nehmen und einfach im Bett zu bleiben.

Die Hauptsache ist aber, dass man sich nicht von der nervösen Unruhe einholen lässt, weil man ständig daran denken muss wie viel Zeit man verliert oder wie es den Plan durcheinander bringt.
Und vielleicht kann man sein Leid ja mit anderen Touristen teilen und man knüpft beim Warten auf besseres Wetter neue Freundschaften.
Am besten man lässt sich einfach nicht aus der Ruhe bringen.

Es regnet überall und es stürmt überall. Und nein man hat nicht den Schlechtwettermagneten aus Zuhause mitgebracht oder ein Monopol aufs Unzufriedensein.

Wenn man sich drauf einlässt ist der Tag noch lange nicht verloren!
Es ist nicht unbedingt was schlechtes. Und wie heißt es noch gleich so schön?

“Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung!”

Schwierigkeiten

Hallöchen!

Von Schwierigkeiten habe ich ja im Grunde schon in meinem letzen Artikel erzählt.
Also gehe ich dieses mal einen Schritt zurück und erzähle von Schwierigkeiten vor der eigentlichen Reise.

Das ganze fängt ja schon mit dem Ziel an. Wohin soll es denn gehen?
Worauf habe ich Lust? Entspannung, Abenteuer? Und wo kann man in unseren Zeiten überhaupt noch halbwegs sicher hinreisen?

Wenn man das dann aber mit sich selber oder seinen lieben Mitreisenden zur Genüge diskutiert hat und endlich Entscheidungen gefallen sind, steht man schon vor dem nächsten Problem.
Buche ich jetzt selber oder gehe ich doch lieber ins Reisebüro? Und welcher dieser Flugvergleichseiten ist eigentlich die beste?
Man kämpft sich durch einen Berg von Angeboten und versucht ein passendes zu finden. Hat man es dann gefunden und kann endlich buchen, ärgert man sich schon wieder.
Diese Dreistigkeit das Gepäck nicht in den Preis mit einzuberechnen! Und was sollen diese lächerlichen 23kg???
Und überhaupt was ist das für ein  Witz mit der “premium-economy”-class?
Wie man 10 Stunden Flug auf dem Mittelplatz am hinteren Ende des Flugzeugs, direkt neben den Toiletten überstehen soll weiß man auch noch nicht.
Was ist wenn man umgeben ist von rotzenden, schreienden Kleinkindern, die man vielleicht 2 Stunden lang süß findet, aber wenn man ehrlich ist nach 10 Stunden Dauerbeschallung gerne mal auf lautlos stellen würde?

So weit sind wir ja aber noch gar nicht.
Erst mal muss der Papierkram erledigt werden.
Also Visum vorbereiten, Auslandsreisekrankenversicherung (übrigens ein super Wort für “Hangman”), einen neuen Reisepass beantragen,  und und und…
Wenn man dann Zuhause sein Visum beantragt und auch endlich die letzte paranoide Frage beantwortet hat (Nein ich bin nicht zufällig Mitglied einer Terrororganisation und war auch nicht ganz zufällig am Holocaust beteiligt) , hat man das Gefühl schon fast geschafft zu haben.

Hahaha.
Die Koffer sind noch lange nicht gepackt!
Welche Größe ist überhaupt angemessen? Und wo war der Koffer gleich nochmal verstaut?
Die Wettervorhersage sagt zwar Regen voraus, aber wenn dann doch die Sonne scheint?
Also packt man von Wintermantel bis knappem Bikini (oder die Herren unter uns Badeshorts) alles ein. Man will ja vorbereitet sein. Man nimmt auch eine breit gefächerte Auswahl an Schuhen mit, von praktisch bis stylisch muss alles dabei sein.
Für uns Frauen müssen noch die richtigen Accessoires und Handtaschen ausgewählt werden und schließlich kommt man dann zum Necessaire.
Man stopft die letzten freien Ecken mit den Medikamenten voll die man,  wie im Vollrausch, in der Apotheke im absoluten Überfluss gekauft hat.
Verbände, Desinfektionstücher, Wundsalbe, Mittelohrentzündungsmittel, Antikopfschmerztabletten, Schmerztabletten, akute Durchfalltabletten, Fiebersenkungsmittel, Pflaster, Hustenbonbons, Wick Vapo Rub. Dazu legt man Notfallkärtchen auf sämtlichen Sprachen auf denen man seine gesamte Krankenakte dokumentiert hat…es kann auf jeden Fall nichts passieren.
( An dieser Stelle muss ich mich bei meiner Mutter entschuldigen, die all dies in meinen Koffer für Uzbekistan packte und ich es nur völlig entnervt zuließ um einer weiteren Diskussion aus dem Weg zu gehen.
Wie sich herausstellte, lag sie völlig richtig mit allem und die ganze Gruppe profitierte von ihrer weisen Voraussicht!)
Dann, wenn man endlich zufrieden den Deckel auf den Koffer klappen lässt, kommt meist irgendein Held vorbei, der einen daran erinnert, dass man die Unterwäsche oder die Pyjamas vergessen hat.
Und schließlich fragt, ob man denn völlig bekloppt sei, so viel einzupacken.
Man wisse ja schon, dass es eine begrenzte Kiloanzahl gibt oder?
An alle die diese Frage einem packenden Menschen stellen:

JA DAS WEISS MAN!

Dann bricht meistens eine lautstarke Diskussion los und obwohl man vielleicht innerlich teilweise einsieht, dass der andere Recht hat, man gibt es nicht zu.
Man hat so viel Arbeit in das gewissenhafte Packen dieses Koffers gesteckt und vom Inhalt des Koffers hängen die nächsten paar Wochen ab.Also nein, das dunkelblaue Shirt, das man vorher noch nie getragen hat und das einem nicht wirklich steht, muss auf jeden Fall mit!
Ungefähr genauso läuft es mit dem Handgepäck ab.

Irgendwann gibt es nur noch eine Hürde zu nehmen.
Es in den Flieger schaffen.
Der Weg zum Flughafen ( gibt es Stau ? und wie viel früher muss ich da sein?) , das Check-In und die Diskussion ob denn das halbe Kilo zu viel echt sooo einen großen Unterschied macht. Dann das Öffnen des Koffers um sich mit sämtlichen Schals, Pullis und Jacken zu behängen, die man Greifen kann. Bis man es schließlich auf genau 23kg schafft.
Eine erste leichte Entspannungsphase setzt ein.
Nur noch der Security-Check und dann sitzt man praktisch schon im Flieger.

Wenn man auch das überstanden hat, gestresst alles zurück in die Tasche quetscht und sich  wieder anzieht, dann kann es endlich losgehen.
Man schultert sein Gepäck und zieht los Richtung Gate. Man ist vielleicht geschwitzt, die Schulter schmerzt von der zu schweren Tasche, man muss ständig Leuten ausweichen und läuft versehentlich in die falsche Richtung aber eigentlich ist alles gut.
Völlige Entspannung und ein Gefühl der Erleichterung überkommt einen, denn das schlimmste hat man ja überstanden…
Und selbst wenn man zu viel oder zu wenig dabei hat. Oder wenn man etwas vergessen hat. Jetzt ist es sowieso zu spät. Alea iacta est.

 

Jaja. Eine Reise die ist lustig, eine Reise die ist schön. Aber einfach ist dann doch was anderes.

Und das wars dann wieder.
Bis bald! Ich freue mich über Kommentare und wenn ihr Verbesserungsvorschläge habt, würde ich die auch gerne hören!:)
Gerne könnt ihr auch von  euren persönlichen pre-reisestress Erfahrungen berichten!

Bis demnächst!

Widrige Zufälle!

Hallo ich bin zurück !
Auf diesen Artikel habe ich mich schon gefreut. Endlich über die widrigen Zufälle zu schreiben.

Das sind nämlich der Stoff aus denen die besten Geschichten gemacht sind.
Das sind die besten Erinnerungen.
Erinnert man sich eher an einen reibungslosen All-inclusive Urlaub oder eher daran, mitten in der Pampa bei einem Sturm mit einem platten Reifen dazustehen?
Natürlich, in dem Moment in dem man “Opfer” des Zufalles geworden ist, findet man es nicht so amüsant, aber hinterher macht es Spaß und wird zu den liebsten Erinnerungen. Und wenn man selber nicht auf Reisen ist und von solchen kleinen Katastrophen hört, dann wird zumindest bei mir, das Reisefieber besonders geweckt.
Ein bisschen Abenteuer ist immer gut. Oder um es mit Sven Hedin zu sagen:

“Jeder Mensch braucht dann und wann ein bisschen Wüste.”

Heute werde ich ein bisschen von Kuba berichten.
Man muss an dieser Stelle sagen, dass man in Kuba so gut wie alles irgendwann dem Zufall überlässt. Sonst dreht man durch.

Das ganze fing so an, dass ein Freund und ich nach Viñales fahren wollten.
Das ist eine Gegend die etwas nördlich von Havanna liegt. Mit vielen Tabak Plantagen und vielen Wäldern. Auf dem Weg dorthin fährt man durch ein paradiesisches, grünes Meer.
Oder man holpert, besser gesagt.
Die Kubaner haben es nicht unbedingt so mit Straßen und die Wagen sind nicht unbedingt die neusten Modelle.
Aber das gehört dazu. Sonst wäre es nicht dasselbe. Wären wir nicht zu sechst in diesen kleinen Wagen gequetscht und vor Hitze fast erstickt, dann wäre das nur irgendeine Autofahrt an die ich mich wohl kaum erinnern würde.
Aber ich erinnere mich eben weil es nicht gerade perfekt und absolut unkomfortabel war.

Jedenfalls dachten wir eigentlich, das Ganze würde ein Tagesausflug werden.
Wir wollten beide noch am Abend entweder zurück nach Havanna oder weiter nach Norden-je nachdem wohin gerade ein Bus fuhr. Zumindest in eine größere Stadt.
Der eigentliche Plan war, dass wir uns ein Moped mieten würden.
Wobei hier von Plan auch  nicht wirklich die Rede sein kann.
Wir gingen  zum Viazul um einen Bus oder ein Collectivo zu nehmen.
Aber dann sahen wir  diesen Moped-und Autoverleih und fanden, dass dies doch deutlich mehr Spaß machen würde.
Dieser Plan wurde durchkreuzt durch den wohl faulsten Mann dem ich in meinem Leben je begegnet bin.
Er und seine Angestellten standen völlig entspannt und unterbeschäftigt in der Gegend rum und ließen sich die Sonne auf den Bauch scheinen, als wir die ersten Schritte auf sie zu machten.
Wir, als als naive Nordeuropäer ( er Schwede, ich Deutsche),dachten : Hey, der Mann hat doch bestimmt Lust ein gutes Geschäft zu machen. Und Geld wird sowieso gebraucht.
Doch wir hätten uns nicht mehr irren können.
Nachdem wir ihm unser Anliegen vorgetragen hatten, schaute er erst uns und dann die Mopeds sehr lange an.
Obwohl wir beide mehr kubanisch als europäisch aussehen und Anosh auch fließend Spanisch spricht, machten wir keinen Hehl daraus, Touristen zu sein.
Wir ahnten schon, dass die Chancen überhaupt zu bekommen was wir wollten größer waren, wenn er ein gutes Geschäft witterte.
Aber es stellte sich heraus, dass ihm das herzlich am Allerwertesten vorbeiging.
Er schaute uns wieder an, dann seine Mitarbeiter und schüttelte schließlich den Kopf.
Nein, heute und besonders jetzt sei das nicht möglich.
Anosh deutete auf das Schild, welches zweifellos besagte, dass nun doch eigentlich Geschäftszeit war.
Der Mann schaute das Schild an, dann gen Sonne und schüttelte wieder den Kopf.
Und sowieso wäre Viñales weit weg und es gäbe Hügel und es würde sich im Allgemeinen um eine schwachsinnige Idee handeln.
Er plapperte weiter auf uns ein und legte uns dar, wieso wir völlig bescheuert wären uns überhaupt aus Havanna wegzubewegen.
(Hier sei angemerkt, dass man nach ein paar Wochen in Havanna unbedingt mal raus muss, da man sonst Gefahr läuft bald einen Nervenzusammenbruch zu erleiden.)
Wir boten ihm sogar an eines seiner eher klapprig aussehenden Mopeds zu kaufen. Für einen Preis der durchaus angemessen wäre.
Aber nein. Einfach nein.
Schließlich sagte er händeringend, er habe jetzt auch einfach keine Lust auf diesen ganzen Papierkram und wenn wir nach Viñales wollten, könne er mit seinem Cousin sprechen, der nun ohnehin in diese Richtung aufbrechen würde.
Okay.Dann halt nicht.Wir haben auf.

Der Mopedverkäufer, oder eher gesagt: der Mann der viele Mopeds besitzt aber eigentlich kein Interesse daran hat sie los zu werden, stellte uns einem Mann vor und bald gesellte sich ein amerikanisches Pärchen hinzu.
Die Reise konnte losgehen. Auf dem Weg würden wir noch einen Amigo unseres Fahrers aufsammeln. Und irgendwann mitten in der Pampa neben der “Autobahn”, stand tatsächlich ein winkender Kubaner und unser Fahrer fuhr rechts ran.
Von wo dieser Amigo herspaziert ist, ist mir immer noch ein Rätsel. Es gab absolut nichts in der Nähe außer trockener Landschaft und ein paar Eselskarren.
Die Reise ging dann also zu sechst weiter.
Wenn man es kurz fassen will dann am besten so:

(Eigentlich muss zwischen jedem zweiten Wort  “Schlagloch” stehen.)
Schweiß. Hitze. Die drei immergleichen Sambarythmen. Holpern.Mehr Schweiß. Verzweiflung. Sehnsüchtiger Blick nach draußen.Verzweifelter Blick Richtung Fahrer auf der Suche nach Anzeichen, dass man bald am Ziel sei. Schmerzende Glieder. Auf der Suche nach Schildern die anzeigen wie weit es noch ist.Hitze. Lauter werdende Musik. Holpern. Samba.Die verschwommene Erinnerung daran, wie es sich anfühlt in Deutschland in einem Auto zu sitzen.Quietschen. Rumpeln.Hitze.Der Bildschirm der Musikvideos angezeigt hat, der endlich seinen Geist aufgibt. Schweiß.Rumpeln.Holpern. Schweiß. Verzweiflung. Und dann schließlich: Überraschung!

Irgendwann in einem kleinen Dörfchen kurz vor Viñales beschloss nämlich unser Fahrer er habe keine Lust mehr.
Er müsse ja auch noch zurück und eigentlich wäre er ja gern früher Zuhause.
Naja geht uns allen ja von Zeit zu Zeit mal so, dass wir auf der Arbeit den Sinn nicht mehr sehen und unsere Arbeit jemand anderem zuschieben.
Also stieg er aus, sprach mit ein paar Menschen. Wir standen sicherlich eine halbe Stunde rum, nicht sicher ob wir auch wirklich an unserem Ziel ankommen würden.
Anscheinend war ganz Kuba dagegen, dass wir nach Viñales fuhren.
Doch schließlich stieg ein anderer Mann ins Auto. Dieser war bis an die Zähne mit kubanischer Pizza bewaffnet und hatte diese auch überall im Bart hängen, als er laut schmatzend verkündete, er würde jetzt wohl weiterfahren. (Anm.:Kubanisches Fastfood ist in keinem (!!!) Fall mit gewöhnlichem Fastfood zu vergleichen)

Währenddessen bedeckte sich der ganze Himmel immer mehr. Wir sorgten uns allerdings nicht, da es bisher immer nur sehr kurze spontane Schauer gegeben hatte und wenn dann nur sehr tief in der Nacht richtigen Regen.

Als wir schließlich in Viñales ankamen waren wir doch ernüchtert.
Überall um uns rum nur Deutsche und Schweden und Touristen im Allgemeinen und ansonsten hatte der Ort nicht wirklich etwas zu bieten ( außer einem erstklassigen Restaurant wie wir später herausfinden sollten).
Aber wir waren sowieso für die Natur gekommen.
Wir kauften uns einen riesigen Becher Schokoeis ( was nahrhafteres fanden wir nicht und außerdem war das seltenes Glück)und leerten diesen umgehend.
Einen Plan wie wir uns denn ohne Moped die Umgebung anschauen sollten,hatten wir nicht. Abe wir waren ja auch in Kuba. Richtige Pläne machen keinen Sinn und oft ergibt sich von selber, und wenn nicht, dann ist das eben so.
Schließlich stiegen wir spontan in einen Bus ein, der sich als Rundtour herausstellte.
Und das hat sich wirklich gelohnt!!Ab und an mussten wir zwar warten, weil der Busfahrer einen Bekannten auf der Straße sah, der ihm einen Kaffee brachte, aber auch das war irgendwie toll.
Allerdings war es eine Rundfahrt ohne Wiederkehr, wie wir und ein Pärchen aus Österreich bald herausfinden sollten.
Denn als wir ausstiegen um den Fluss in der Höhle zu bestaunen, fuhr der Bus weg- und wir waren irgendwo im nirgendwo.
Im kubanischen Busch.
Aber jetzt wo wir schonmal da waren, wollten wir auch sehen wofür wir gekommen waren.
Wir kletterten also alle in diese Fledermaushöhle. Tiefer und tiefer. Teilweise mussten wir krabbeln. Bis wir schließlich an einem Fluss angekommen waren. Ein Boot lag an einem verlassenen Steg. Es war zwar nicht mal fünf Uhr aber dennoch schon Feierabend. Wir stiegen also in das Boot und fuhren den beschilderten Weg entlang bis wir eine Öffnung in sahen. Wir fuhren aus der Höhle hinaus und fanden uns in einem grandiosen Unwetter wieder. Schnell legten wir an und beeilten uns  unter den Unterstand zu gelangen in dem Früchte und Zuckerrohre lagen, die tagsüber wohl den Besuchern angeboten wurden.
Wir beschlossen, dass auch wir davon etwas haben sollten und während wir auf unseren Zuckerrohren rumkauten und hofften, dass der Regen aufhörte, wurde es immer schlimmer. Der Himmel wurde immer dunkler.

Irgendwie schafften wir es einen Taxifahrer auf dem Rückweg zu erwischen, der uns freundlicherweise sogar kostenlos mit zurück ins Dorf nahm.
Dort angekommen mussten Anosh und ich dann hören, dass eigentlich keiner Lust habe bei schlechtem Wetter und Abends nochmal loszufahren und deswegen keine Busse, keine Taxis und auch sonst nichts in dieser Nacht aus dem Dorf hinausfahren würde.
Nagut, Kuba halt.
Also machten wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Aber leider war alles ausgebucht. Wir wanderten durch die Gegend und schließlich sprachen wir mit einer Frau die uns freundlicherweise ihr Gästezimmer anbot und gegen extra Bezahlung auch ein Frühstück zubereiten wollte.
Dankbar nahmen wir an.
Unsere ganzen Sachen waren total durchnässt und richtig vorbereitet waren wir beide nicht aufgebrochen, da wir ja bevorzugt noch einmal nach Havanna zurückgekehrt wären um eine längere Reise vorzubereiten.
Die Suche nach einem Supermarkt war überraschenderweise nicht erfolgreich.
Eigentlich weiß ich nicht mal wieso wir gesucht haben. Sowohl mit Supermärkten als auch mit lange Arbeiten haben es die Kubaner nicht unbedingt.

Nach langem Suchen und noch längerem Warten, bekamen wir aber immerhin einen Platz in einem Restaurant. Das Essen (obwohl der Kellner uns ewig ignorierte) machte alles wieder gut. So gut habe ich in Kuba nur zwei oder dreimal gegessen . Es war unglaublich lecker und wir entspannten uns endlich. Wir hatten ein Zimmer, eine funktionierende Toilette und gutes Essen-manchmal sogar Empfang. Die Frustration ließ nach.Mehr konnte man nicht verlangen. Am nächsten Morgen könnten wir dann endlich aufbrechen und einen der Touristenbusse nehmen, der zwar etwas teurer aber dafür klimatisiert und organisiert war. Das heißt, der würde auf jeden Fall an seinem Ziel ankommen. Es gab ja sogar einen Busfahrplan.

Obwohl ich damals den Ausflug eher als Flop empfand, erinnere ich mich jetzt sehr gerne zurück.
Es ist eine sehr schöne Gegend und oftmals war es genauso witzig wie frustrierend.
Die Busfahrt am nächsten Tag lief nicht nur beinahe reibungslos (nur 45min. Verspätung und Pinkelpausen mitten in der Pampa ohne genug Bäume), sondern war auch schrecklich langweilig und kalt.
Da lob ich mir das gute alte Collectivo, mit seinen authentischen Fahrern und das Gruppenleiden der verwöhnten Touristen.

 

Also dann.
Ihr hört bald von mir.

Vergessen aller häuslichen Sorgen…

Hallo ihr Lieben!

Heute gibt es endlich den nächsten Eintrag.
Und heute ist der Teil mit dem Vergesse der häuslichen Sorgen dran.
Vergessenheit aller häuslichen Sorgen ist etwas, wozu mir immer noch nicht viel eingefallen ist. Oder vielleicht interpretiere ich es auch nicht richtig.

Vielleicht deswegen , weil für mich eine Reise antreten auch gleichzeitig heißt zu beschließen alles an Ballast zurückzulassen und mich völlig auf das Neue einzulassen.

Gestern bin ich mal wieder einfach so durch die Stadt gestreift.
Eigentlich nicht auf der Suche nach etwas Bestimmtem.
Ich wollte einfach das Wetter genießen, diese Stadt in mich aufsaugen und vielleicht  Inspiration finden.
Dabei bin ich auf einen wundervollen Buchladen gestoßen (der älteste unabhängige Buchladen New Yorks).
Schon von außen sieht der Buchladen nach anderen Zeiten aus, aber wenn man die Tür aufmacht und hineingeht dann ist es, als würde man eine völlig andere Welt betreten.
Ein paar Buchhändler, die aussehen als wären sie einem Bilderbuch entsprungen,  sitzen an ihren überfüllten, unordentlichen Schreibtischen und finden sich irgendwie in diesem Chaos zurecht.
Das meiste passiert immer noch von Hand- Gott sei Dank- ein MacBook hätte der Sache vermutlich den ganzen Charme genommen.
Alle Wände mit Regalen zugestellt, die über und über mit alten Schätzen gefüllt sind. Wunderschöne alte Einbände mit Goldlettern laden einen zum Stöbern ein und es riecht wie es in einem Buchladen eigentlich zu riechen hat. Nicht nach Cellophan sondern nach Staub und eben Büchern. Es werden auch alte Plakate, Weltkarten, Gemälde und Manuskripte verkauft.Aber ich schweife ab…
Also in diesem Buchladen, in dem ich sicherlich über eine Stunde lang in verschiedenen Werken geblättert habe, habe ich schließlich den Doppelband “Das Reisetagebuch eines Philosophen”  von Graf Hermann Keyserling gefunden.
Schon als ich die Inhaltsangabe überflog und die ersten Seiten las, wusste ich:
Das ist mein Buch. Kurz entschlossen kaufte ich es.

Schon gleich am Anfang seiner Buches fragt der Philosoph sich, wieso er eigentlich auf Reisen geht.
Er kommt zu dem Schluss, dass er nicht auf Reisen geht um sich zu entspannen, sondern um aus dem Trott des Alltags zu entfliehen und seinen Geist auf Trab zu halten (natürlich sagt er das Ganze sehr viel eindrucksvoller, mit tollen Wörtern und einer beinahe undurchschaubaren Satzstellung.Aber ich bin keine Philosophin aus dem 20. Jahrhundert, also müsst ihr nachsichtig sein).
Doch die eigentlich wichtigste Erklärung warum der Mensch auf Reisen geht, sei die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung.
Zuhause ist man oft durch den Alltag gebunden und es gibt Grenzen die auf Reisen nicht gegeben sind. Beim reisen wird man sogar eher gezwungen Grenzen zu überwinden.
Zu lange an einem Ort und man wird zum Gewohnheitstier- es scheint als würde der Horizont immer kleiner werden.
Aber wenn man Distanz schafft, dann werden die Dinge ( auch die eigenen Grenzen, gesetzt durch Eigenschaften, Ansichten etc….) plötzlich kleiner, unwichtiger und man ist in seiner Form plötzlich wandelbarer.
Man kann sein was man will und sich in andere Richtungen weiterentwickeln als das vielleicht im gewohnten Umfeld möglich gewesen wäre.

Vielleicht meinte der gute Freiherr von Knigge ja genau das, als er vom Vergessen der häuslichen Sorgen sprach.
Vielleicht meinte er aber auch einfach nur den Abwasch, das Blumengießen oder sämtliche Reparaturen.
Das kann ja jeder so interpretieren, wie es ihm gerade passt.

Ganz wichtig ist aber, dass ich hier mit Reisen nicht das Bestaunen von Sehenswürdigkeiten meine.
Sondern wirklich Sehen wo man ist, Kontakt zu den Menschen herzustellen, sich auf die Kultur einzulassen und sich vielleicht auch mal abseits der durch Touristen plattgetrampelten Pfade zu bewegen.
Das soll nicht heißen, dass man sich nicht auf jeden Fall mal das Louvre oder die Hagia Sofia anschauen sollte- vielleicht kann man aber ein- oder zwei Sehenswürdigkeiten aus dem straffen Programm streichen und einfach mal schauen was passiert.
Es gibt den Spruch ” Travellers don’t know where they’re going, tourists don’t know where they’ve been.”, und das beschreibt es eigentlich ganz gut.

 

So, das wärs dann auch wieder für heute.
Nächstes mal geht es um widrige Zufälle, ohne die man nach der Reise ja eigentlich nichts zu erzählen hätte.
Ich arbeite immer noch daran, genau herauszufinden wie man diesen Blog etwas “fancier” gestalten kann, und vielleicht schaffe ich es in naher oder ferner Zukunft sogar Bilder hochzuladen etc.
So lange könnt ihr euch, falls ihr Interesse habt,  aber ein paar Bilder auf meinem Instagramaccount anschauen @tamarafatum.
Da seht ihr auch den Buchladen!
Also bis zum nächsten Mal!

 

Humor.

“If I had no sense of humor, I would long ago have committed suicide.”

-Mahatma Gandhi-

 

Humor brauchte ich bisher nicht nur um den Alltag zu meistern, sondern auch auf allen meinen Reisen.
Je verrückter das Abenteuer, umso mehr Humor ist gefordert, denn sonst würde man dauernd mit geplatztem Kragen herumlaufen.

Ich habe mir eine mindmap erstellt, um die Situationen zu sammeln in denen ich ohne Humor einfach alles hingeschmissen hätte.
Mir ist aufgefallen, dass sehr viele dieser Momente in Usbekistan waren, oder zumindest  im Zusammenhang mit Usbeken.
Vorher muss ich aber auch noch sagen, dass unsere kleine Gruppe, dass nicht nur durch totschwarzen Galgenhumor überstanden hat, sondern wir ohne einander ( so sehr wir uns auch auf den Keks gegangen sind) schon am ersten Abend einen Rückflug organisiert hätten.

Zu meinen Lieblingserinnerungen gehört ein Innlandsflug mit der Usbekistan Airways.
Dass das Flugzeug überhaupt abheben konnte ist ein Wunder und wieso wir alle heile rauskamen ein Rätsel.
Es handelte sich um eine alte Propellermaschine. Es gab keine Sicherheitseinweisung und keine Gurte. Beim antippen der Stuhllehnen sind diese nach vorne geklappt wie ein alter Gartenstuhl und hätte irgendwer irgendetwas durch die Sicherheitskontrolle schmuggeln wollen, dann wäre auch das problemlos möglich gewesen. Einer aus unserer Gruppe, Johannes, hatte bspw. eine 2 Liter Wasserflasche am Seitenfach seines Rucksacks vergessen und niemandem war es aufgefallen.
Ich frage mich bis heute ob der Metalldetektor durch den wir gelaufen sind, wirklich funktioniert hat, oder ob er nur eine billige Attrappe war, ein einfacher Rahmen, um den armen Ausländern ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln…
Naja selbst wenn es so sein sollte, dann kann man zumindest sagen, dass das ja irgendwo sehr rücksichtsvoll wäre.

Normalerweise habe ich überhaupt keine Flugangst. Ich mag fliegen und ich mag auch Luftlöcher. Doch dieses mal war alles anders. Der Flieger polterte und schwankte die ganze Zeit so sehr, dass man das Gefühl hatte, eine einzige Windböe könnte jetzt unser Leben beenden.
Ich glaube ich habe auch kurzfristig meine Beziehung zu Gott aufgebessert und eine ganze Reihe Stoßgebete gen Himmel geschickt.
Da wir alle über das ganze Flugzeug verteilt waren  (es gab übrigens witzigerweise einen Air Marshall), konnte man sich und seinem Sitznachbarn auch schlecht gut zu sprechen oder zumindest Hand in Hand leiden.
Schließlich kam ich mit einem älteren Herren aus Nappa ins Gespräch und versuchte krampfhaft mich damit von meinen Angstzuständen abzulenken.
Ich glaube ich habe so viel Adrenalin während dieses Fluges ausgeschüttet, dass mir wirklich ein paar Erinnerungen fehlen.

Der Flug war aber eine gute Aufwärmübung, denn danach ging der ganze Spaß erst richtig los.
Von Plumpsklos und “duschen” mit einem Eimer voll Wasser, bis hin zum Sexismus, der schließlich dazu führte, dass wir Frauen in der Wüste für unsere männlichen Mitreisenden kochen mussten,während diese sich am Salzsee amüsieren sollten.
Unsere armen deutschen Jungs wollten die Usbeken überzeugen, dass sie helfen wollten und wir Mädchen machten einen Aufstand, aber schließlich backten wir unseren Männern Brot. So wie sich das als gute Hausfrau nun mal gehört.
Abends gingen wir Mädchen dann nach Hause und wenn es ein guter Abend war, wurde Bollywood geschaut, der Rest der Gruppe ging aus.
Viel Humor brauchte auch mein guter Freund Felix. Sein Koffer war nicht in Usbekistan angekommen und der arme musste sich Klamotten ausleihen und den ganzen Rest auch irgendwie organisieren.
Und jeden Tag das Tshirt umdrehen, nur weil die Dinge in Usbekistan dazu neigen nicht zu funktionieren wie sie sollen, ist bestimmt kein so großer Spaß.

Man braucht aber auch eine Menge Humor wenn man in einem kleinen engen Bus mitten in der Wüste auf einmal stehen bleibt weil plötzlich ein Mensch aufgetaucht ist, den der Busfahrer kennt und mit dem es dringend mal wieder ein Pläuschen zu halten gibt. MITTEN IN DER WÜSTE.
Während wir drinnen saßen, uns mit Tüchern behängten und eincremten um uns vor der Sonne zu schützen und nicht sicher waren ob Fenster offen oder geschlossen schlimmer war.
Als wir schließlich bei unserem Camp in der Wüste angekommen waren,freuten wir uns auf Erfrischung!
Schon kurze Zeit später standen zwei Freundinnen und ich zu dritt in einer der Duschkabinen und ließen uns gemeinsam Wasser auf den Kopf tröpfeln. In Usbekistan heißt dieses Verfahren “sich duschen” .( Wir haben unsere Haare nie ganz nass bekommen, weil immer ein Teil schon wieder getrocknet war).

 

Eins meiner ganz persönlichen Highlights war es, zusammen mit einem Freund eine Rede auf einer Zwangshochzeit zu halten ( Ist “Zwangshochzeit” das richtige Wort?).
Von Menschen die wir nicht mal kannten.
Aber nun gut, wir als deutsche Abenteurer schreckten vor nichts zurück, hatten in den Tagen zuvor schon ganz anderes erlebt und außerdem-selbst wenn wir wollten, wir hätten uns aus dieser Situation nicht befreien können.Glücklicherweise wurde eine Menge Wodka gereicht und ich glaube zum Zeitpunkt unserer Rede, war mehr als die Hälfte des Raumes nicht mehr ganz zurechnungsfähig.
Was sagt man da also?
“Möge eure Liebe blühen”; “Wir wünschen euch eine glückliche Ehe und viele Söhne”; “Eine Hochzeit ist ein Tag der Freude und wir sind glücklich diesen mit euch erleben zu dürfen…”; “Wir hoffen alles wird besser und Scheidung ist irgendwann keine Schande mehr”…?
Das war eine ziemlich schwere Aufgabe.
Besonders weil die verwöhnte westeuropäische Feministin in mir nach Gerechtigkeit, Gleichheit und Unabhängigkeit für dieses arme Mädchen schrie. (Eigentlich wirkte der Junge genauso verängstigt wie die junge und völlig nervöse Braut).
Aber so etwas wünscht man in Usbekistan nicht. Da muss schon etwas Diplomatischeres, Sexistischeres her.

Hier noch ein paar Stichworte zu Momenten über die ich jetzt lachen muss aber die mich damals oft völlig perplex zurückgelassen haben:
-undefinierbares Etwas auf einem Berg voll Reis vor einer Horde Verwandter runterzwingen
-Fett das am Gaumen trocknet
-Traummanntalk (“großes Büro, großes Auto und joa wäre eigentlich auch ganz schön wenn er ganz nett wäre”)
-Diskussion wer von den Usbeken nun seine Barbies in Deutschland vergessen hat
-eine Reihe Heiratsanträge an verschiedene Mädchen in der Gruppe und die Frage ob es denn normal sei wenn ein Mädchen während eines Heiratsantrags aufs Handy schaut
-endlose Freude über eine funktionierende Klospülung
– in irgendwelche Autos einsteigen die ihr Licht anhatten ( denn so werden Taxis gekennzeichnet)
-der Versuch zu erklären wozu ein Kühlschrank gut ist (Milch und Eier sollten bei 40°C nicht im Holzschrank stehen!!)
-der Versuch anzudeuten, dass eine jahrelange Regentschaft eines Präsidenten ohne immer wieder Wahlen abzuhalten eigentlich nicht mehr sooooo demokratisch ist
– und und und…

 

Es gibt noch ganz viele dieser Geschichten und das macht jetzt sicherlich den Eindruck als wäre Usbekistan die Hölle auf Erden ( ich will es nicht schön reden, währenddessen dachten wir manchmal es wäre tatsächlich so), aber eigentlich war es toll und was ich da erlebt habe gehört zu meinen Lieblingserinnerungen. Ich hatte das Glück, super Menschen so kennenzulernen wie man sonst nur wenige Menschen kennenlernt.
Außerdem ist es ein sehr spannendes, eindrucksvolles Land, wo alte abendländische Traditionen auf die guten alten Sowjetwerte treffen.Aber von meiner Reise nach Usbekistan werdet ihr sicherlich noch mehr hören…

 

 

Courage.

Hey!Hier bin ich wieder!

Ich bin immer noch dabei die Schlagwörter aus dem Zitat abzuarbeiten und heute ist Mut dran.

Vorher aber eine kleine Erinnerung um welches Zitat es sich handelt:

“Zum Reisen gehört Geduld, Mut, guter Humor, Vergessenheit aller häuslichen Sorgen, und dass man sich durch widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen lässt.”

Bevor ich über Mut schreiben konnte musste ich mich zwangsweise damit beschäftigen, was er für mich bedeutet.
Ich habe ziemlich lange überlegt ob mir irgendeine Situation einfiel in der ich mutig war. Hauptsächlich sind mir aber Momente eingefallen in denen ich mir im Nachhinein mehr Mut wünsche. Den Mut, nicht einfach nur zu beobachten, sondern den Mund aufzumachen und zu sagen was ich denke.
Mut ist für mich, sich einer Situation zu stellen und sie zu akzeptieren wie sie ist. Mut ist aber auch sich im Zweifelsfall gegen alle zu stellen um für sich und seine Meinung einzustehen. Mut ist nicht keine Angst zu haben, sondern einfach etwas anderes über diese Angst zu stellen.
Aber die eigentliche Frage für mich war, wann etwas mutig oder eigentlich doch eher dumm ist.
Bis heute frage ich mich ob es dumm oder mutig war die “frisch gemolkene”Milch von vor mehreren Tagen (die bei usbekischen 40°C nicht im Kühlschrank stand) zu trinken…
Oder ob es mutig oder dumm war als alleinreisende Frau in ein 3.Weltland zu ziehen in dem ich nicht mal die Sprache kannte…
Es gibt so viele Beispiele und bis heute weiß ich nicht ob Mut, Wahnsinn oder einfach pure Dummheit mich zu Dingen wie offensichtlich saurer Milch trinken (nur weil die Usbeken das auch so machen) getrieben haben.
Ich war schließlich so verzweifelt, dass ich Josh, einen Kellner in einem kleinen und zu diesem Zeitpunkt leeren Café namens Eastwood, nach Mut-Geschichten gefragt habe. Er brachte meine Gedanken ziemlich gut zum Ausdruck in dem er stammelnd ein paar Begriffe in den Raum warf und schließlich aufgab.
Wir stimmten aber überein, dass selbstbewusst zu sich selber und seinen Meinungen stehen, definitiv mutig ist (Bsp.: Outing). Kein außergewöhnliches Ergebnis- aber immerhin!
Anschließend habe ich es dann sein lassen und gedacht “Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben! Dir fällt bestimmt noch was Tolles ein”. Dies ist aber nicht eingetroffen.
Also habe ich einfach mal ein paar Zitate gesucht und drei gefunden die mir ganz gut gefallen haben.

 

“I learned that courage was not the absence of fear, but the triumph over it. The brave man is not he who does not feel afraid, but who conquers that fear.”
-Nelson Mandela-

 

“Courage is what it takes to stand up and speak;
courage is also what it takes to sit down and listen.”
-Winston Churchill-

 

“Faced with what is right , to leave undone shows a lack of courage.”
-Confucius-

 

So das war es leider schon für heute. Zum Thema guter Humor habe ich hoffentlich mehr zu berichten. Wenn ihr andere Ansichten davon habt was Mut ist oder wenn ihr selber Geschichten zu erzählen habt in denen es um Mut geht, dann schreibt das doch einfach in die Kommentare!
Bis zu nächsten Mal!:)