Category: interviews

Tamy talks to…Ernesto

New York ist natürlich eine glamouröse Stadt. Das Zentrum der Welt.
Hier trifft sich jeder der etwas von sich hält oder hofft mal etwas Großes zu werden.
Aber wie alles, hat auch New York seine Licht-und Schattenseiten.

Ich wusste vorher schon, dass in den USA extrem viele Menschen unter der Armutsgrenze leben und wirklich jeden Tag kämpfen, aber dass es eben auch eine sehr große Elite gibt.
Richtig schön gezeigt wurde mir das, als ich zum ersten mal über die 5th Avenue spazierte. Die Dämmerung hatte gerade eingesetzt und ein Freund und ich hatten den Tag im Central Park verbracht und wollten nun etwas essen.
Ich war beeindruckt und fast eingeschüchtert von dem was um mich rum geschah. Die großen Werbeplakate und vielen Lichter, Schaufenster die aussahen als wären es Kunstgalerien und Diamanten die versuchten sich gegenseitig in den Schatten zu stellen. Die Menschen eilig am hin und herlaufen. Als gäbe es irgendein Event von dem ich nur noch nichts wusste.
Das Geld konnte man praktisch riechen. Überall Designerklamotten, große Klunker und so viele Shoppingtüten, dass es wohl schwer war sie selber zu tragen. Und dann zwischen all dem bunten Treiben und dem Glitzer saß auf dem Boden, angelehnt an einer Mülltonne ein alter Mann. Bettelnd und offensichtlich frierend.
Nun sind Bettler ja nichts außergewöhnliches, aber von dem Anblick wurde mir auf einmal schlecht. Es war, als würden die Schönen und Reichen ihn gar nicht sehen. Als würden sie so etwas im Allgemeinen einfach ausblenden.
Da wurde auch nicht ausgewichen, sondern einfach über seine Sachen gestolpert.
Das wars dann auch mit dem beeindruckt sein. Ich war enttäuscht. Keiner der zahlreichen Menschen, die vor wenigen Minuten vermutlich noch Tausende Dollar für Handtaschen ausgegeben hatten, hatte ein bisschen Kleingeld für den Mann.
Und das Schlimmste:
Sie hatten nicht mal ein Lächeln oder einen kurzen Blick für den Mann.
Als hätten sie Angst davor, dass man sich an Armut anstecken kann.

Oder neulich zum Beispiel, da habe ich den einen Freund meines Mitbewohners kennengelernt. Ernesto.
Ernesto ist Anfang 20 und hat schon auf der Straße gelebt.
Er hatte sein Auto auf einem Parkplatz bei Burger King abgestellt, da es irgendwie kaputt war. Dann ist er auf einen  langen Spaziergang gegangen und hat bei Freunden in Brooklyn übernachtet. Das Auto hatte er bei Burger King stehen lassen.
Am nächsten Tag war sein Auto weg. Und mit dem Auto absolut alles was er hatte.
Die Polizei hatte es abgeschleppt. Das wären dann allein dafür schonmal ca. 200$ und 120$/Tag an dem das Auto bei der Polizei ist. Und woher nimmt man bitte einfach mal so 320$ wenn alles was man verkaufen könnte ( wie z.B. Computer und TV) im Auto liegen? Das geht schlecht.
Direkt am zweiten Tag in dieser Stadt also völlig am Ende. Damals war er 17.
Die Jugendarmut Unterstützungsorganisationen kennt er alle.
Er ist nicht verbittert, aber antriebslos und irgendwie hilflos. Und trotzdem ist er ein unglaublich friedliebender positiver Mensch geblieben.
Obwohl er mittlerweile eine eigene Wohnung und einen Job hat und immer noch durch verschiedene Organisationen subventioniert wird, ist er für jede Mahlzeit so dankbar, wie ich es bei noch keinem Menschen gesehen habe.
Zumindest bei keinem Menschen in der westlichen Welt.

Er ist aus Florida hergezogen um von seiner alkoholsüchtigen und cholerischen Mutter zu fliehen. Die große Stadt und den Traum leben. Im Gepäck war alles was er hatte.
Aber nicht nur das Leben auf der Straße musste er erleben, sondern auch die Diskriminierung.  Ernesto ist schwul und war damals Obdachlos. Keine gute Kombination. Wenn er Leute bat ob sie ihm ihr Handy ausleihen könnten damit er seine Mama oder Freunde anrufen könnte, hörte er kein einziges mal ein “ja”.
Und das nur, wie er sagt, weil er einen schwarzen Plastikbeutel über der Schulter hatte. Von anderen benachteiligten Jugendlichen wurde er verprügelt und bestohlen, immerhin war er ja ein “Fagott”, -eine Schwuchtel.
Woher sie das wussten, weiß er selber nicht, er hatte sich damals noch vor niemandem geoutet. Als Puerto Ricaner geht es Zuhause noch ziemlich konservativ zu.

Und Ernesto ist ganz sicher nicht der einzige mit so einer Geschichte.
New York kann ganz schön hart sein.
Und das Schlimme ist, dass ich ständig von Leuten höre, dass man hier mit Höflichkeit und Rücksicht nicht weiterkommt und sie so alle ein unmögliches Verhalten entschuldigen. Wenn alle mal einen Gang zurückschalten würden und ein bisschen mitfühlender und freundlicher miteinander umgehen würden, dann wäre der Tag für sehr viele Menschen leichter.
Höflichkeit hat nichts mit Wettbewerb zu tun. Dass es den hier gibt ist klar. Heißt aber nicht, dass ich nicht mal Grüßen oder Lächeln oder jemandem etwas Nachsehen kann-im Gegenteil, das ist deutlich stilvoller.

   

So, das wars schon wieder für heute!Bis bald!

Tamy talks to…Alejandro

 

“One good thing about music, when it hits you, you feel no pain.”

-Bob Marley-

 

Hey there!
I have decided that my blog should be available in both, German and English, so right now I am still working on the translation of my first articles.

Today I want to tell the story of Alejandro.
I met him in Havanna.
Or actually it wasn’t meeting someone, like you meet people in Europe. He just appeared from somewhere.
David, Pablo and I were strolling around the streets looking for something to do. We had just finished Dinner and didn’t have any plans for the evening yet.
As always in the streets of Havanna we met some Amigos.
I don’t really know how it always comes down to this, but we ended up being quite a big group, singing together -Cuba.

Someone with a guitar joined us and soon we also had some rappers and salsa dancers.
Then I saw someone walking towards to our group. He wore a shirt with a jamaican flag and had dread locks.
He actually caught my attention, because he had a funny way to move.
The man walked like Jack Sparrow (Johnny Depp as a pirate). Also the way he looked at us, was so much like Jack Sparrow, that I couldn’t believe it. His facial expressions were so strong that I first thought he made fun of himself.
It turned out he didn’t.
He just moved different than all the other Cubans that I’ve seen.
Then he started to sing. But he didn’t join the song that we sang at that moment, he started to sing “Get Up, Stand Up”.

And honestly I have never heard a better Bob Marley imitation.
To me it sounded even better than Marley himself.
Maybe it was the warm Cuban night and all of us together making music that made it so special.
At some point he grabbed the shirt he had around his hip and explained proudly that this was the uniform he had to wear for work.
Alejandro works for some company that provides Cuba with electricity, and he believes that he has been given a great power being able to provide the people with light.
He passed his shirt around and everyone had to touch the old grey material.
I have never seen a person that was so happy about the own job.
When he talked about it, it sounded like he was having the perfect job.
That he didn’t get paid very well (which he admitted), didn’t really bother him.
I don’t know if that was because he drank already a whole lot of “El material ” (Rum, that is in small cans, called “planchidos” and stronger than Tequila) or if he was just a happy soul.
I like to believe that he is happy.

  

The whole time he kept on explaining how much he admired Bob Marley and proud he was that the T-Shirt he was wearing showed the Jamaican flag.
Then he told us about his biggest dream.

Alejandro, 40 years old, dreams about writing Bob Marleys mother an email.

He wanted to thank her for raising a man such as Bob Marley and he wanted to wish her all the best and tell her that he was praying for her. That she had given the world so much no one could even come close. He wanted to explain her how much his music and his talent had saved his life and made it so much better.
He had already planned the last sentence: God bless you.
That was the cutest thing that I have ever heard.
And suddenly I felt a bit weird. I think it was shame. I was ashamed of being so ignorant and wanting too much, instead of being very thankful for the small things.

When we dream, we dream very big.
We dream of being the best at something, of earning good money and maybe also the perfect family life. We dream of spending a luxurious holiday in a 5-star- resort in Hawaii, but for none of us an email is a dream.

Surprisingly I never saw Alejandro again.
Which I thought was impossible in Havana.
But I will never forget him and I hope I can manage to dream more the way he does.
I know for him the email is a big deal, as he doesn’t have anything like a laptop- but still I think it’s dreaming in small steps and we could all learn from that sort of thinking.
Being happier would be easier, I believe.
Moreover his dream isn’t about him becoming anything more, but thanking someone else. Giving someone else a good feeling, making someone smile.
The sparkle in his eyes when he thought about his dream really touched my heart, and not only me but also my european friends still think about him a lot. Not because of his outstanding way of moving and acting, or his talent. But because of his way of thinking.

That was it for today.
I will translate this article into German very soon.
You will hear from me!