Was ist eigentlich dieses Usbekistan??

shah-i-zinda-700x401.jpgSamarkand.

Wieso genau sollte man eigentlich nach Usbekistan reisen?
Die Gründe sind vielfältig. Genau wie Usbekistan selber.
Seien es die arabischen Nächte, die ihren Zauber in den mittelalterlichen Städten entlang der Seidenstraße besonders entfalten, oder die Spannung der Anfänge einer jungen Republik. Die Einflüsse der Sowjetunion gepaart mit den konservativen Werten eines islamischen Staates.
1991, durch den Zerfall der Sowjetunion, ist die heutige Republik Usbekistans entstanden und wird immer mehr zu einem Ziel für Touristen.
Glücklicherweise ist es noch nicht völlig von den typischen Begleiterscheinungen die der Tourismus mit sich bringt befallen.
Mein letzter Artikel zu diesem Land war schon einige Zeit her und bezog sich hauptsächlich auf die zum Teil sehr großen kulturellen Unterschiede. Wie das nun mal so ist, trickst die Erinnerung einen da auch manchmal aus und diesmal will ich mich bemühen das Bild von Usbekistan noch etwas besser und vielleicht auch mit etwas mehr Verständnis zu zeichnen.

 

usbekistan-natur-2.jpg
Usbekistan: Eine so wilde Mischung aus Alt und Neu, aus West und Ost, das es wohl jedem Besucher schwer fällt dieses Land und sein Volk wirklich zu verstehen.

Usbekistan ist, zumindest aus geographischer Sicht, wirklich sehr sehr trocken.
Es besteht tatsächlich hauptsächlich aus Wüste oder wüstenähnlichen Landschaften.
Die Usbeken haben nämlich gleich zwei Wüsten. Umringt von Kirgisistan, Kasachstan, Afghanistan, Turkmenistan und Tadschikistan erstrecken sich Teile der Karakum (schwarze Sandwüste) und die Kizilkum (rote Sandwüste) durch das Land.
Meiner Meinung nach prägt die Natur die Menschen die in ihr Leben doch sehr.
Vielleicht erklärt sich so, dass Usbeken manchmal eine Art an den Tag legen die uns Westlern beinahe als hart erscheint.
Auf der anderen Seite sind die Usbeken unheimlich gastfreundlich. Wie in so vielen Ländern dieser Welt ist die Gastfreundschaft eine große Tugend und wird kultiviert wo es nur geht.
Egal wo man hinkommt, man wird in Usbekistan keinen Tisch finden der zum Essen nicht über und über mit Köstlichkeiten und Delikatessen des Landes bedeckt ist. Schaffen soll man das alles aber nicht. Es ist nämlich eine Ehrensache mehr zu Verfügung zu stellen als je gegessen werden könnte.
Während ich mir in den ersten Tagen noch redlich Mühe gab so viel wie möglich von allem zu essen was man mir anbot, lernte ich doch schnell, dass es eine Grenze gibt ab der die Gastgeber zufrieden gestellt sind. Das heißt allerdings nicht, dass man nur mit einer Schale Salat und einem Tässchen Tee davonkommt.

Obwohl Usbekistan mit seinen jungen 20 Jahren quasi noch in der Selbstfindungsphase ist, hat es eine unglaublich alte Geschichte die ihre Spuren an jeder Ecke hinterlassen hat. “Oz’bekiston” (Land der Usbeken) spielte für lange Zeit eine zentrale Rolle im Handel zwischen Ost und West auf der Seidenstraße die China mit Europa verband. Samarkand ist in diesem Kontext auch jetzt noch sehr bekannt.
Entlang dieser alten Seidenstraße findet man bis heute atemberaubende Städte die mit ihrer einmaligen Architektur und Kunst wie Oasen in dieser trockenen Landschaft hervorstechen.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir das Blau.
Es klingt merkwürdig aber wenn ich an Usbekistan denke, dann denke ich an die Wüstenlandschaften, die Baumwolle, Pilaw (ein typisches Gericht) und eben besonders an intensives Blau, das so viele der Mosaiks ziert. Noch immer bin ich fasziniert von der Handwerkskunst die auch heute noch in kleinen Werkstätten beobachtet und bewundert werden kann. Es scheint ein weiterverbreitetes Phänomen zu sein, das Menschen in besonders trockenen Gegenden der Erde so viel Blau und Grün in ihren Alltag zu integrieren versuchen wie es nur geht. Blaue Paläste, Lustgärten und Wasserbecken angelegt an den unmöglichsten Stellen und oft als Zeichen von Macht und Reichtum.

 

usbekistan-ayaz-qala-1-mauer.jpg
Ich denke der arabische Teil hat mir an Usbekistan am Besten gefallen.
Obwohl auch die Überreste der Sowjetunion allgegenwärtig sind.
So ist es nichts Ungewöhnliches in großen modernen Städten diese vergleichsweise schmucklose und “kalte”  Architektur wieder zu finden.  Aber hauptsächlich spiegelt sich die Sowjetvergangenheit im System wieder. Sei es das Bildungs-oder aber das Gesundheitssystem, viel ist übrig geblieben und übernommen worden. Und gerade dank dieses Bildungssystems hat Usbekistan heute unter 1% Analphabeten.

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Tashkent.
Generell ist mir aber auch die Leere aufgefallen.
Usbekistan ist ein sehr großes Land, flächenmäßig ungefähr so groß wie Schweden. Aber selbst in den Städten ist selten etwas los. Man findet im Park vereinzelt ein paar junge Leute und auf den Märkten herrscht dann doch einiges Getümmel, aber grundsätzlich scheint niemand einfach so mal zu flanieren.
Liegt wohl an der Hitze.
Und naja, abends ist es uns Frauen ja ohnehin nicht mehr gestattet herumzulaufen, zumindest nicht ohne männliche Begleitung. Also fehlen mir da vielleicht Eindrücke.
Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass das Leben so zelebriert und offen gelebt wird wie zum Beispiel in Südeuropa nachdem die Hitze erträglicher geworden ist.
In Usbekistan findet Leben meiner Erfahrung nach hauptsächlich Zuhause statt.
Im Kreise der Familie oder von Familienfreunden. Die Familie spielt dort noch eine deutlich wichtigere Rolle. Genau wie auch die Familienplanung.
Letztens erst sah ich ein Bild von einem der Mädchen das mit uns gereist war. Es war ihr Hochzeitsbild.
Und ich musste unweigerlich daran denken, wie ihre Vorstellungen von Ehe so sehr von denen von uns Westeuropäern abwichen.
Vielleicht waren sie realistischer, vielleicht oberflächlicher, vielleicht ist oft einfach kein Platz und keine Freiheit für diese unglaublich romantische große Liebe die wir uns im Westen oft vorstellen und von der wir um keinen Preis loslassen bis wir sie meinen gefunden zu haben.
Aber so oder so, eine frühe Hochzeit, oder andere Vorstellungen von Ehe heißt ja nicht, dass es schlecht sein muss. Nicht alles sind Zwangs-oder Zweckehen. Die Regeln sind einfach anders.

Nun aber nochmal zurück zu Usbekistan. Hier ein paar Dinge mit denen man sich vielleicht beim abendlichen Smalltalk mit Ruhm bekleckern kann oder einfach Dinge die es vielleicht Wert sind zu wissen:

1. Usbeken rühmen sich damit, das Mutterland des Algorithmus zu sein

2. Jede Zeit ist Tee-Zeit

3.Wodka ist auch gut.

4. Überall in Usbekistan findet man uralte Burgen die sich aus dem Sand erheben. Sie stehen dort seit tausenden von Jahren und man kann bis heute hoch und reinklettern. Meistens kostenlos.

5. Usbekistan ist zwar ein säkular islamischer Staat aber es wird sehr auf “Mäßigung” geachtet, so wird zum Beispiel nicht aus Mikrofonen der Muezzin erklingen. Dennoch wird der Islam wieder bedeutender und viele Regeln (bspw. Kleidungsregeln) werden wieder strenger interpretiert.

6.Politische Opposition gibt es nur im Exil (die zwei Oppositionsparteien tragen die romantischen Namen “Erk”(Freiheit) und “Birlik” (Einheit).

7.Die Bewässerung dieses extrem trockenen Landes ist eine besonders große Herausforderung aufgrund der Bodenversalzung. (Übrigens gibt es auch einige Salzseen die einen Besuch wert sind).

8. Usbekistan ist reich an Bodenschätzen und garantiert sich dadurch auch viel der relativen wirtschaftlichen Unabhängigkeit des Landes.

9. Die Marktwirtschaft ist bisher nur teilweise eingeführt worden. Das bedeutet, dass bis heute viele der Preise immer noch staatlich festgelegt werden.

10. Es gibt mehr als 90 verschiedene Varianten der usbekischen Nationalspeise Plav. (Dabei handelt es sich um ein Reisgericht mit Hammelfleisch).

 

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Und damit war’s das erstmal wieder für heute. Ich hoffe es waren einige hilfreiche und/oder interessante Informationen dabei. Es gibt definitiv noch so viel mehr zu sagen, gerade über die zahlreichen Eroberungen und großen Herrscher dieser Gegend, aber das sprengt einfach den Rahmen. Vielleicht irgendwann einmal.
Ich freue mich über Rückmeldungen!

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4 thoughts on “Was ist eigentlich dieses Usbekistan??

    1. Vielen Dank! Bist du denn häufig in Kasachstan? Vielleicht hast du ja ein paar Geheimtipps was man da unbedingt machen/lassen sollte …:)
      Usbekistan ist auf jeden Fall den Besuch wert,ich hoffe es klappt bald!🙏🏽😊

      Like

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