Von Der Gescheiterten Schlechten Laune-Keine Glorreiche “Morning-Routine”

Ich wache auf.
Nun denkt man ja erstmal, das sei keine gerade außergewöhnliche Art seinen Tag zu beginnen und so weit stimmt das ja auch.
Allerdings ist heute etwas anders.
Und zwar höre ich schon eine kleine jammernde “mimimi-Stimme” in meinem Kopf. Irgendetwas stimmt heute nicht.
“Unzufrieden”, denke ich und kann mir selber nicht erklären weshalb.
Ein Blick aus dem Fenster macht das Ganze amtlich.
Es nebelt. Ganz klar hat dieser Tag nicht mal eine Chance verdient. Also drehe ich mich in meinem Bett einmal um und jammere mir selber etwas vor.
Mein Leben ist ja auch echt hart manchmal. Hallo?! Ich muss später noch aufstehen. Da soll mir mal jemand sagen, das wäre gerecht.
Nee absolut nicht.
“Ich hätte jetzt echt gerne einen Tee und dann wäre es ja echt gemütlich” denke ich und schon im nächsten Moment verbiete ich mir Gedanken dieser Art.
Nee heute nicht. Heute wird nicht super.
Pfff gemütlich.
Um mich in meiner schlechten Laune zu bestätigen schalte ich extrem dramatische und die größten Heartbreak-Songs auf meinem Handy an, die ich finden kann. Ich singe mit, natürlich. Ich fühle die Grausamkeit des Lebens in jeder Pore.
Ich armes, armes Ding.
Als nächstes werfe ich noch einen Blick aus dem Fenster, dann auf meine WordPress-Statistiken und schließlich schreibe ich noch eine höchst unerfreuliche To-Do-List.
So, meine Laune sinkt stetig. Mission complete.

Missmutig steige ich aus dem Bett, da ich natürlich nicht wieder einschlafen kann. Ist ja mal wieder typisch für mich.
Was kann ich eigentlich?
Okay, diese Frage beantworte ich mir zu so früher Stunde lieber noch nicht.
Ich will doch nur Selbstmitleid und schlechte Laune, nicht gleich eine handfeste Depression.
Immer noch überzeugt davon, dass ich aus irgendeinem Grund vom Schicksal geschlagen bin, greife ich nach den Klamotten, die ich ungefähr am wenigsten mag.
Wenn schon, denn schon. Denn wenn ich jetzt auch noch toll aussehe, eigentlich alles okay ist, und das Wetter draußen auch eigentlich erfrischend ist, dann kann ich das Selbstmitleid absolut  nicht mehr halten.

Ich schalte auf den nächsten Song, denn im Shuffle ist “Walking on sunshine” angegangen und fast hätte ich euphorisch mitgesungen. Ich suche mir “Mad World” raus.
Es gibt ja auch absolut keinen Grund, jeden Tag ein Honigkuchenpferd zu sein. Das es auch nicht wirklich einen Grund für schlechte Laune gibt, verschweige ich mir selber.
So ein bisschen Selbstmitleid ist Balsam. Jawoll, ich tanke heute mal so richtig Energie für den Rest der Woche. Oder sogar schon, für den späteren Tag.
Ich aale mich in meinem Selbstmitleid. Das tut manchmal einfach gut.
Jetzt mal ehrlich, wir alle machen das manchmal gerne!
Sich so richtig schön im Unglücklichsein oder in der schlechten Laune baden…
Zusammen mit dem Wetter und der richtigen Musik fühlt sich das an, wie ein trauriger Film.
Aber wieso auch nicht?
Ständig predige ich mir selber, dass wenn ich unzufrieden bin, das nur meine eigene Schuld ist und es mir jederzeit freisteht etwas daran zu ändern.
Außerdem bin ich generell eine glückliche, fröhliche Person, die nicht den leisesten Grund hat sich zu beschweren sondern vielmehr dankbar sein sollte.  Und jeder hat ab und an mal einen kleinen Rückschlag. Das zieht vorüber und irgendwann werde ich drüber lachen.
Blablabla.
Natürlich ist das zutreffend.
Aber ich habe heute einfach keine Lust auf meine innere Großmutter. Denn ein Teil meines Gehirns scheint ständig mit Weisheiten um sich werfen zu müssen.
Besonders gerne immer dann, wenn es völlig unnötig ist.
Und genau dieser Teil meines Gehirns nimmt sich eine Auszeit wenn ich ihn ernsthaft mal brauchen könnte…

Heute habe ich aber, wie gesagt, keine Lust.
Alles doof.
Noch ein paar mal murmele ich mir selber zu wie blöd alles ist.
Allerdings hebt sich meine Laune fast unmerklich.
Keine Sorge, dagegen gibt es verlässliche Mittel.
Ich habe die Wahl: Entweder schaue ich mir “Morning-Routine”-Videos von unnatürlich gut gelaunten und produktiven Menschen an, oder aber ich erspare mir diese kleinen Glücksbällchen und informiere mich über das Weltgeschehen.

Also öffne ich eine Nachrichten-Seite und klicke alle höchst dramatisch klingenden Überschriften an.
Das führt zu einem Universal-Mitleid meinerseits.
Die Menschen sind einfach schlecht und böse und generell wird’s mit uns nur bergab gehen.
Immer noch läuft die Musik und da muss ich auf einmal an John Lennon denken. Ja genau! Das ist überhaupt die Idee des Tages! “Imagine” von John Lennon.
Das könnte einen ja schon fast zum Weinen bringen.

Beim nächsten Blick auf mein Telefon sehe ich eine Nachricht.
Ob ich Lust auf Brunch hätte…

Ja habe ich. Ich könnte aber auch einfach Zuhause sitzen und Trübsal blasen. Am besten noch, mich über mein nicht vorhandenes Sozialleben beschweren…
Aber ich habe wirklich Lust. Und Hunger auch…Ich habe auch Lust mit coolen Leuten zu reden und mich dann gemütlich in die Uni zu bewegen. Ja ich habe sogar Lust auf Uni….
Nagut,okay. Es ist Zeit aufzugeben.

Ich schalte wieder meine Mitsing-Playlist an, koche mir einen Tee und erledige nebenbei ein paar kleine Aufgaben und surfe, auf der Suche nach Inspiration, im Internet. Dann verlasse ich gut-gelaunt das Haus auf dem Weg in einen weiteren wirklich schönen Tag.

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3 thoughts on “Von Der Gescheiterten Schlechten Laune-Keine Glorreiche “Morning-Routine”

  1. Ich kann dich nur zu gut verstehen. Ab und zu denke ich mir genau das, was du hier sehr umfassend umschreibst. “Ich aale mich in meinem Selbstmitleid”, finde ich ein wirklich geiles Zitat. Freue mich auch auf mehr von dir. Keep it up (Y)

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