Donnerstags in Chelsea

Es ist Donnerstag. Mittlerweile ist es fast sommerlich und ausnahmsweise bin ich heute fast alleine in unserer Küche in der Lower East Side. Ich schließe die Augen und atme durch. Sich bei heißem Wetter die 5th Avenue runter zu kämpfen ist eher weniger erfreulich.

Dann fällt es mir siedend heiß ein, ich hatte meinem Mitbewohner versprochen heute Abend mit zu einer Ausstellung zu gehen, und ich weiß noch nicht ganz ob ich mich darauf freue, oder eigentlich viel zu faul bin.
Die Vorstellung bis hoch nach Chelsea zu laufen, ist weniger verführerisch als man meinen müsste.
Aber wenn ich daran denke durch die abendlichen Straßen New Yorks zu schlendern, auf Kopfsteinpflaster vorbei an alten viktorianischen Häusern, weiß ich, dass ich mich eigentlich doch freue.
Deswegen schlüpfe ich schnell in frische Klamotten.
Gerade rechtzeitig, denn dann kommt mein Mitbewohner nach Hause und wir ziehen sofort los.
Meine Sorge weit laufen zu müssen ist unbegründet.
Als New Yorker ubert man immer, oder man radelt.
Also bestellen wir ein Uber Car und schon bald sitzen wir im Auto, lassen die Lower East Side hinter uns, fahren entlang am Hudson River, über dem langsam die Sonne untergeht. Schließlich gelangen wir an eine Kirche in Chelsea.

Ungewohnt für mich, Kirchen sind bei mir nicht als gesellschaftlicher Treffpunkt oder als besonders in der Kunstszene etabliert bekannt, aber als ich die Kirche betrete, bin ich überrascht. Die ganze Kirche wurde praktisch in eine Galerie umgewandelt und abgesehen von dem Bändchen ,dass einem umgebunden wird um mit anderen Menschen in Liebe verbunden zu sein, ist es wie eine ganz normale Galerie. Es gibt sogar Snacks und Champagner.
Glücklicherweise kennt mein Mitbewohner einige der Künstler und deshalb sind diese gerne bereit alles über ihre Kunst zu erzählen. Networking ist in New York einfach alles.
Nachdem wir ungefähr eine Dreiviertel Stunde dort waren, haben wir aber genug gesehen und ziehen weiter. Mein Mitbewohner scheint ein klares Ziel vor Augen zu haben, also komme ich mit.
Und auf einmal stehe ich mitten in Chelsea.
Die trendigen Shops sind zwar alle schon geschlossen, aber dennoch stehen überall auf den Straßen Menschen. Von jung bis alt ist alles dabei. Frauen in Abendkleidern oder Jeans, Männer in Sakko oder Arbeitskleidung, Donnerstagsabends trifft sich alles was kunstinteressiert ist in Chelsea. Überall sind die Lichter an und man hört Stimmengewirr aus offenen Fenstern auf die Straße dringen. Musik erklingt hier und da.
Wir laufen von Galerie zu Galerie. Anstatt Eintritt zahlen zu müssen, bekommen wir kostenlosen Wein und Häppchen und vor allem eine Menge interessanter Gespräche mit Kunstinteressierten, Kunstkritikern, Künstlern, Journalisten, Galeriebesitzern und Kunstsammlern. Es ist ein gesellschaftliches Event. Jeden Donnerstag in Chelsea.
Hier zeigt man sich nicht nur der Kunst wegen, sondern auch um interessante Bekanntschaften zu schließen und wichtige Kontakte zu knüpfen.
Die New Yorker sind in ihrem Element. Das ist ein guter Einstieg ins Wochenende. Aber nicht nur die New Yorker frönen hier dem schönen Leben und führen ihre schicksten Outfits aus, man sieht hier und da auch ein paar Touristen, die wohl mehr oder weniger zufällig in die Thursday Night in Chelsea reingestolpert sind.
Man sieht allerdings, dass sie ein bisschen überrumpelt sind, während man auf der anderen Seite die wahren New Yorker sieht, die alle auf ihre Weise die Situation beherrschen und genießen. Sie legen eine ganz besondere Eleganz bei diesem Event an den Tag.
Nachdem wir genug gesehen haben (die Nacht ist noch jung und Chelsea füllt sich immer mehr), biegen wir ab und nehmen die Stufen rauf auf die Highline.
Von dort aus haben wir nicht nur eine tolle Sicht auf Midtown Manhattan sondern auch auf den Hudson River.
Die Highline war früher eine Art Zugstrecke wurde aber zwischen 2006 und 2014 zur Parkanlage umgebaut. Und abgesehen davon, dass sie einen praktischen Weg wieder weiter runter nach Manhattan bietet, ist es ein wunderschöner Spaziergang.
Die ganze Highline ist sehr gepflegt und sauber, man sieht einige interessante Graffitis und hier und da sitzen Musiker und spielen ihr Lied.
Man sieht die Skyline von Manhattan, kann in Büros reinschauen und die Lichter genießen. Ein bisschen Ruhe und Abstand von der Großstadt und dennoch mitten drin in New York City. Traumhaft.
Es ist fast ein bisschen wie auf einem Rooftop für die Allgemeinheit.

Sowohl rauf als auch runter kommt man an gefühlt jeder Ecke und so entschieden wir spontan den Abend noch mit kubanischem Essen abzurunden. Es war eine schwere Auswahl, denn viele der exotischen Lokale sehen einladend aus, und die Speisekarte verspricht immer viel. Ja auch vom kulinarischen Standpunkt aus muss man sich Donnerstags in Chelsea keine Sorge machen.
Noch immer sind die Straßen gefüllt und neben Frauen in Pelzen laufen Herren in schicken Anzügen nun auch wieder mehr Richtung Lower East Side, denn das ist die Adresse für danach.
In New York gibt es jeden Tag irgendein Event und deswegen ist irgendwie auch jeder Tag in der Woche aus dem ein, oder anderen Grund beliebt. (Wer meinen Blog liest, weiß um die Besonderheit der Sonntage in New York. )
Aber die Donnerstagabende in Chelsea sind trotzdem was Besonderes

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2 thoughts on “Donnerstags in Chelsea

    1. Freut mich,dass das trotzdem nochmal ne neue Idee war!:) ja ich war bevor ich da gelebt habe auch schon da und das aber auch dann nur über lange einheimische kennenglernt.nächstes mal auf jeden Fall ein Must-do!:)
      Vielen vielen lieben Dank für die Rückmeldung!:)
      Liebe Grüße
      Tamy

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