Stottern auf Englisch!

Ich habe die wunderbare Gabe, mich in unmögliche Situationen zu bringen.
Nun ja, mein Leid ist des anderen Freud’.
Und so war es auch neulich als ich bei einem “Open Mic” Abend im “Old Man Hustle”, plötzlich auf der Bühne stand.
Diejenigen die mich kennen, wissen, dass es jetzt nicht so unbedingt meine Stärke ist, vor Leuten zu sprechen. Zumindest nicht, wenn ich auf der Bühne ich selber bin. Schauspielern ist etwas Anderes.
Aber wenn es nur ich und eine Gruppe Menschen mit erwartungsvollen Blicken sind, dann bin ich eher unbeholfen.
Ich sage dann sehr viel “ääähm” oder “mmmh” und manchmal werfe ich auch gerne ein geistreiches “aaalsooo” in den Raum, ohne dass dem “also” irgendetwas folgen würde.

Jetzt ist es aber auch so, dass ich es überhaupt nicht leiden kann, als einziger Mensch im Raum nicht den Mut zu haben etwas durchzuziehen. Dafür bin ich zu stolz. Außerdem sind neue Erfahrungen gut, das ist doch eigentlich was ich will. Lieber nicht so exponiert, aber nagut, man kann nicht alles haben.
Was bleibt einem also? Augen zu und durch.
Das erste Problem begann schon beim stottern.
Wie zur Hölle stottere ich denn auf Englisch?
Nach kurzem überlegen und eingeschüchtertem Lachen, dass ein rotes Gesicht und ganz viel “hehehe” beinhaltete, beschloss ich, mich zusammenzureißen.
Ja ich hatte zwar nichts zu sagen und erst recht nichts vorbereitet, aber ich war 12 Jahre lang in der Schule, das muss zu irgendetwas gut gewesen sein.
Und mir irgendeinen Quatsch aus den Fingern saugen, konnte ich schon immer .
Manchmal kann ich es sogar gar nicht zurückhalten. Ich nenne diese sinnlosen aber sehr unterhaltsamen Monologe gerne meine “Wortkotze”.

Jedenfalls machte ich dann den ersten Schritt und begann mein “äähhm” und “ööhm” und “aaaalsooo” auf Englisch zu übersetzen.
Das geht dann ungefähr so:
“Yeeeah”, “uuum”, “weeeelll”.
Ich muss wohl nicht noch sagen, dass die Crowd begeistert war.
Aber dann hatte ich mich warm gesprochen.
Ich erklärte ihnen wie mich mein eigenes “uuuum” inspiriert und dass das ganze ein Teil davon sei, wie ich mich als Künstlerin ausdrücke. Jeder hat ja so seine Art auf der Bühne. Und wie jeder gute Künstler behaupte ich einfach mal: “Das muss so, das hat einen tieferen Sinn”.
Dann lachten die Leute ( wer weiß ob nicht aus Verzweiflung, aber immerhin) und auf einmal war die Stimmung aufgelockert.
Ich setzte mich also auf diesen Hocker und begann die 10 min. mit irgendeinem Blödsinn zu füllen, was sie gar nicht so schlecht fanden. Zumindest wirkte es so.
Aber ich will hier nicht behaupten, dass die gute Stimmung allein mein Werk war.
Der Alkoholpegel im Raum war doch relativ hoch und als einzig nüchterne Person im Raum, war das sogar noch deutlicher.
Wir saßen dann wie in einem kleinen Familienkreis zusammen und obwohl mir zwischendurch der Erzählstoff ausging ( denn wie immer wenn mir das Wort erteilt wird, wird mein Kopf plötzlich unnatürlich leer), überlebte ich diese zehn Minuten.

Im Nachhinein kann ich sagen, es war eine gute Erfahrung und ich habe auch definitiv auch etwas davon mitgenommen.
Was das wohl ist?
Ich bin jetzt Profi im englischsprachigen Stottern!!!
Wer von euch kann das von sich behaupten?

Und Respekt an all’ die Comedians die sich Abend für Abend auf eine riesige Bühne stellen (mit nüchternem Publikum) und genug Quatsch zusammenbringen um diese Menschen ewig lang zu unterhalten!

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