Pessach/ Passover in New York

Hallo hier bin ich wieder! Zugegeben, diesmal hat es etwas länger gedauert.

Es ist Pessach- Fest!
Und da in Boro Park in Brooklyn die größte fromme Judengemeinde außerhalb Israels ist, dachte ich, es wäre angemessen darüber zu schreiben.

Es ist nicht zu übersehen, dass die jüdische Gemeinde hier riesig ist. Überall in der Stadt deuten Namen, das Angebot im Supermarkt und viel mehr darauf hin. Hier einen traditionell gekleideten Juden zu sehen, gehört einfach zum Gesamtbild in New York.
Aber Boro Park ist noch einmal etwas Anderes.
Es ist als würde man eine Zeitreise machen, oder eine Reise in ein fremdes Land auf das man nicht vorbereitet war.
Man biegt um eine Straßenecke und auf einmal ist man in einer ganz anderen Welt.
Alle sind schwarz gekleidet. Männer laufen in Grüppchen mit Büchern unter dem Arm und wehendem Gewand die Straße entlang. Vermutlich auf dem Weg ins Kollel,
wo sie den Tag mit ihren Studien und ihren Studienkollegen verbringen.
Schläfenlocken, Hüte, kniebedeckende Röcke,einfache praktische Schuhe.
Alle sind sehr schlicht und zurückhaltend.
Keine auffällige Erscheinung, keiner sticht heraus oder versucht sich hervorzutun.
Und jeder scheint sehr auf sich konzentriert zu sein.
Das ist ein ungewöhnliches Gefühl in New York, einer Stadt in der man sich selber so stark durch den Kleidungsstil ausdrückt, und wo jeder versucht sich durch irgendetwas von der riesigen Masse abzuheben.

Auf der anderen Straßenseite spielen Kinder unter dem wachsamen Blick der jungen Mütter Klatschspiele. Laut ist keines von ihnen.
Alle  Erwachsenen richten den Blick entweder auf den Boden oder starr gerade aus.
Außer den Müttern natürlich, die konzentrieren sich voll und ganz auf ihren Nachwuchs.
Sogar mit schwarzer Jeans, schwarzem T-Shirt und schwarzer Jacke komme ich mir hier Fehl am Platz vor. Ich bin definitiv nicht Teil der Gemeinde.
Da ich die ersten paar Tage direkt um die Ecke gewohnt habe, war ich wenigstens auf die schwarze, schlichte Kleidung vorbereitet, und habe auch mein Haar in einen schlichten Pferdeschwanz züchtig zurückgebunden. Trotzdem falle ich auf wie ein bunter Hund.
Ich will auch nicht respektlos erscheinen.
Obwohl ich mir beinahe unwillkommen vorkomme, oder so zumindest so als würde mich jeder hier verurteilen (was sie vermutlich nicht tun-aber trotzdem), fasziniert mich das.
Umgeben von so vielen Versuchungen trotzdem seiner Religion und seiner Gemeinde treu zu bleiben ist etwas besonderes.

Und jetzt ist in Boro Park noch viel mehr los.
Die Frauen wirken gestresst und legen ein strammes Tempo an den Tag. Doch ich finde, dafür, dass so viel auf sie zukommt, wirken sie ziemlich cool.
Man spürt fast ein bisschen Vorfreude in all dem geschäftigen Treiben.
Es ist Pessach-Fest. Das womöglich wichtigste Fest im Judentum.

Hier eine kurze Erklärung für die, deren Erinnerungen an den Schulreligionsunterricht der sechsten Klasse schon etwas verblasst sind:
Beim Pessach- Fest ( das ca. eine Woche lang dauert), wird der Auszug aus Ägypten und somit die Befreiung des jüdischen Volkes aus der Sklaverei gefeiert.
Das Pessach-Fest beinhaltet verschiedene Riten und wird hauptsächlich mit der engen Familie begangen.
Normalerweise dauert es 7 Tage lang, bei orthodoxen Juden jedoch 8.
Bekannt ist wahrscheinlich noch, dass während des Festes nichts Gesäuertes gegessen werden darf.

Jetzt zu dem Part von dem ich nicht weiß, wie die jüdischen Frauen ihn meistern:
Die Vorbereitung.
Ein traditioneller jüdischer Haushalt liegt komplett in der Hand der Frau.
Sprich Einkäufe, Putzen, Verwaltung des Haushaltsgeldes etc. etc.
Nun muss aber vor dem Pessach-Fest nicht nur der komplette Haushalt zum Glänzen gebracht werden, sondern auch sämtliche saure Speisen (Chametz) müssen entfernt werden (können nach dem Fest zurückgekauft werden).
Glasgeschirr wird über drei Tage in Wasser gelegt und nach 24 Stunden gewechselt. Der Rest an Geschirr  wird mit heißem Wasser abgekocht.
Von der Zubereitung der  “Seder”-Speisen will ich gar nicht erst anfangen. Ich denke ihr habt eine kleine Idee von den Ausmaße dieses Festes bekommen.

Man kann sich also auch den Trubel in Boro Park vorstellen, kurz bevor Pessach beginnt.
Interessanterweise sind die ersten Treffer wenn man “Pessach” bei Google eingibt Hotelanzeigen.
Der Trend entwickelt sich nämlich dahin, Pessach nicht mehr Zuhause zu verbringen. Stattdessen fährt man mit der Familie in ein nettes Hotel ( und es gibt unglaublich viele “Passover-Specials”) und konzentriert und besinnt sich auf die Ursprünge des Festes, anstatt in Arbeit zu ertrinken.
Außerdem wird momentan an jeder Ecke “Matzo” verkauft und die Kochmagazine haben ein riesiges Register an koscheren, und Pessach-freundlichen Rezepten.
Das erleichtert die Arbeit vermutlich auch. Denn wenn man auch noch so viele Brotfladen backen muss, wie in einer Woche gegessen werden, ist man am Ende wahrscheinlich total gaga. Wenn ich nämlich vom engsten Familienkreis spreche, dann sind das nicht Vater,Mutter, Kind sondern gut und gerne mehrere dutzend Verwandte die einen Zuhause beehren.
Es gibt sogar eine Menge “Survive Passover”-Ratgeber. Verständlich.
Ich habe es zwar nie miterlebt (vielleicht ja eines Tages), aber ich kann mir unschwer vorstellen, dass man bei all den strengen Regeln und Reihenfolgen mal durcheinander kommt. Plus das man umgeben von tausenden Verwandten ist, denen man nicht auf die Füße treten will und man somit gezwungen ist, eine ganze Woche lang einen diplomatischen Tanz aufzuführen.

Übrigens wird die Tradition des Pessach-Festes auch im christlichen Abendmahl widergespiegelt.

Ich werde definitiv nächste Woche nochmal nach Boro Park fahren um zu sehen, wie die Straßen in diesem Viertel während Pessach aussehen. Und ich habe auch immer noch nicht die Hoffnung verloren, einen Rabbi zu treffen, der bereit ist, mir einen tieferen Einblick zu erlauben und mir mehr zu erklären.

Also Happy Passover meine Lieben! Und bis bald!

 

passover2012


 

Hello there!

I am sorry it took so long until this article came.

It’s Passover!
And as Boro Park in Brooklyn is the home to the biggest jewish community outside of Israel, I thought it would be a good idea to write about this holiday.

You can’t ignore that there is a huuuugee jewish community in New York.
Not only that you see a lot of people in their traditional clothing, but also you can get kosher food wherever you are and also the last names of a lot of people seem to have jewish roots.

But Boro Park is still different.
When you go there, it’s like traveling in time or going to a very different country, that you weren’t prepared for.
Just by turning around a corner, you enter a whole new world.
Everyone’s dressed in black. Men walk in small groups, their books under their arm. Probably on their way to the Kollel, where they spend their day studying.
Earlocks, hats, skirts that must at least cover the knees, and simple but practical shoes.
All black everything. And all very simple and unobtrusive.
No one tries to stand out from the crowd, and they all seem to be very focused on themselves and what they’re doing.
Which is a weird feeling in New York. A city where everyone tries to express themselves through their style.  And where everyone tries to stand out and be something special.

On the other side of the street children play some games. A group of mothers watching them carefully.  None of the children is loud while playing.
The adults keep their eyes to the ground or just straight forward. As if no one could move them from their path. Except for the mothers that keep an eye on their children  of course.

Even though I am wearing black pants, a black shirt and a black jacket, I feel like a purple glittering unicorn that’s trying to hide in between a flock of horses-but NOT in a good sense.
I am definitely not part of the community.
As I have lived just around the corner when I first came to New York I was prepared for the black clothes, and I have also a ponytail instead of my hair open.
But I still feel like a total misfit. I don’t want to seem disrespectful.

I feel not very comfortable or welcome, I feel like everyone here is judging me ( what they’re probably not doing, but still… ). Though I am fascinated.
They see all these temptations everyday, but they stay loyal to their religion, the commitments that comes with it, and also loyal to their community. This is something very special I think.

But now there is even more going on in Boro Park. The women seem stressed.
Even though I think they seem pretty cool, thinking of what they still have to do during the next days, and what they had to do in the last couple of days.
There was almost a sense of anticipation in this hustle and bustle in the streets.
It’s Passover. Probably the most important holiday in judaism.

Here is a short reminder for all of you that have forgotten what they’ve learned in school:
Passover is the celebration of the liberation of the jewish people from the slavery in Egypt.
The holiday is about 7 days long. Only the orthodox jews have 8 days of passover.
Passover includes a couple of very old rituals and is celebrated with the closest family members.
During passover you’re not allowed to eat anything acidified (chametz).

 

Let’s get to the hardest part of the whole festival:

The preparation.
In a traditional jewish household the woman takes care of everything that has to do with the house and making the place a home. That means buying groceries, cleaning, taking care of the children, organizing the money that is needed etc.
But everything is even more before passover. The whole household must be cleaned very carefully, all the chametz must be sold or thrown away ( can be bought again after passover) .
Glass tableware has to be put in water for three days, and all the rest of the tableware needs to be cleaned with boiling water to make it kosher.
I won’t even start to explain how long it takes to prepare all the “seder”-food.
but I think you can imagine how much work the jewish women need to put in this festival.

When you enter the word “passover” in google, the first things you’ll see in your search results will be ads for hotels that offer “passover-specials.”
this seems to be the new trend. Instead of running through your house trying to remove all chametz, you book a hotel somewhere nice. Being able to remember why they’re celebrating this festival instead of thinking of what to cook next.
Also they offer “matzo” at every corner, which makes life also way easier. Imagine you had to bake bread for a whole bunche of people, for one week. I feel like crying only by the thought of it.
Because when I am talking of the closest family members I am not only talking about father, mother, child but a couple of dozens of people.
Finding kosher recipes is also getting easier. The cooking magazines offer a wide range of different ideas what to cook for passover.
There are even “How to survive passover” books and articles.
Though I never had a passover, I can easily imagine how hard it can be.
Thinking of all the rules, all the procedures that need to be done in a certain order… I would probably mess everything up. Plus the whole family gathering thing. Not only for one night, but a whole week.
Trying not to hurt anyones feelings or to insult anyone requires a lot of diplomatic skills.

Besides, the passover festival is also reflected in the christian communion.

I will definitely go to Boro park next week to see how the flow is during passover. I assume it’s all pretty quiet on the streets.
And I haven’t lost hope to find a rabbi who can give me an insight on how everything works in a synagoge and who can explain everything in detail.

So happy passover!
And have a good night!

Advertisements

6 thoughts on “Pessach/ Passover in New York

  1. Hey Tamara
    Very happy you are engaging with different cultures–Cuban and Jewish on these blogs, and even with other cultures in other ways.
    These well written and interesting articles will inspire and encourage others of your generation to follow your example.
    An appreciative understanding of the varying cultures and lifestyles that exist in the world other than the only one we are familiar with, is the best path to achieve safety and peace for all.
    So I think you may be doing something even more beneficial than just writing about some of your experiences.
    Keep it up !!!

    Liked by 1 person

    1. Thank you so much for your comment!
      It’s always good to hear someones ideas and thoughts on my blog.
      I hope that I can inspire other people and I am trying my best to do so.
      Maybe my small steps towards understanding, acceptance and a little more peace in the world are helpful.
      Lots of love!

      Liked by 1 person

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s