Humor.

“If I had no sense of humor, I would long ago have committed suicide.”

-Mahatma Gandhi-

 

Humor brauchte ich bisher nicht nur um den Alltag zu meistern, sondern auch auf allen meinen Reisen.
Je verrückter das Abenteuer, umso mehr Humor ist gefordert, denn sonst würde man dauernd mit geplatztem Kragen herumlaufen.

Ich habe mir eine mindmap erstellt, um die Situationen zu sammeln in denen ich ohne Humor einfach alles hingeschmissen hätte.
Mir ist aufgefallen, dass sehr viele dieser Momente in Usbekistan waren, oder zumindest  im Zusammenhang mit Usbeken.
Vorher muss ich aber auch noch sagen, dass unsere kleine Gruppe, dass nicht nur durch totschwarzen Galgenhumor überstanden hat, sondern wir ohne einander ( so sehr wir uns auch auf den Keks gegangen sind) schon am ersten Abend einen Rückflug organisiert hätten.

Zu meinen Lieblingserinnerungen gehört ein Innlandsflug mit der Usbekistan Airways.
Dass das Flugzeug überhaupt abheben konnte ist ein Wunder und wieso wir alle heile rauskamen ein Rätsel.
Es handelte sich um eine alte Propellermaschine. Es gab keine Sicherheitseinweisung und keine Gurte. Beim antippen der Stuhllehnen sind diese nach vorne geklappt wie ein alter Gartenstuhl und hätte irgendwer irgendetwas durch die Sicherheitskontrolle schmuggeln wollen, dann wäre auch das problemlos möglich gewesen. Einer aus unserer Gruppe, Johannes, hatte bspw. eine 2 Liter Wasserflasche am Seitenfach seines Rucksacks vergessen und niemandem war es aufgefallen.
Ich frage mich bis heute ob der Metalldetektor durch den wir gelaufen sind, wirklich funktioniert hat, oder ob er nur eine billige Attrappe war, ein einfacher Rahmen, um den armen Ausländern ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln…
Naja selbst wenn es so sein sollte, dann kann man zumindest sagen, dass das ja irgendwo sehr rücksichtsvoll wäre.

Normalerweise habe ich überhaupt keine Flugangst. Ich mag fliegen und ich mag auch Luftlöcher. Doch dieses mal war alles anders. Der Flieger polterte und schwankte die ganze Zeit so sehr, dass man das Gefühl hatte, eine einzige Windböe könnte jetzt unser Leben beenden.
Ich glaube ich habe auch kurzfristig meine Beziehung zu Gott aufgebessert und eine ganze Reihe Stoßgebete gen Himmel geschickt.
Da wir alle über das ganze Flugzeug verteilt waren  (es gab übrigens witzigerweise einen Air Marshall), konnte man sich und seinem Sitznachbarn auch schlecht gut zu sprechen oder zumindest Hand in Hand leiden.
Schließlich kam ich mit einem älteren Herren aus Nappa ins Gespräch und versuchte krampfhaft mich damit von meinen Angstzuständen abzulenken.
Ich glaube ich habe so viel Adrenalin während dieses Fluges ausgeschüttet, dass mir wirklich ein paar Erinnerungen fehlen.

Der Flug war aber eine gute Aufwärmübung, denn danach ging der ganze Spaß erst richtig los.
Von Plumpsklos und “duschen” mit einem Eimer voll Wasser, bis hin zum Sexismus, der schließlich dazu führte, dass wir Frauen in der Wüste für unsere männlichen Mitreisenden kochen mussten,während diese sich am Salzsee amüsieren sollten.
Unsere armen deutschen Jungs wollten die Usbeken überzeugen, dass sie helfen wollten und wir Mädchen machten einen Aufstand, aber schließlich backten wir unseren Männern Brot. So wie sich das als gute Hausfrau nun mal gehört.
Abends gingen wir Mädchen dann nach Hause und wenn es ein guter Abend war, wurde Bollywood geschaut, der Rest der Gruppe ging aus.
Viel Humor brauchte auch mein guter Freund Felix. Sein Koffer war nicht in Usbekistan angekommen und der arme musste sich Klamotten ausleihen und den ganzen Rest auch irgendwie organisieren.
Und jeden Tag das Tshirt umdrehen, nur weil die Dinge in Usbekistan dazu neigen nicht zu funktionieren wie sie sollen, ist bestimmt kein so großer Spaß.

Man braucht aber auch eine Menge Humor wenn man in einem kleinen engen Bus mitten in der Wüste auf einmal stehen bleibt weil plötzlich ein Mensch aufgetaucht ist, den der Busfahrer kennt und mit dem es dringend mal wieder ein Pläuschen zu halten gibt. MITTEN IN DER WÜSTE.
Während wir drinnen saßen, uns mit Tüchern behängten und eincremten um uns vor der Sonne zu schützen und nicht sicher waren ob Fenster offen oder geschlossen schlimmer war.
Als wir schließlich bei unserem Camp in der Wüste angekommen waren,freuten wir uns auf Erfrischung!
Schon kurze Zeit später standen zwei Freundinnen und ich zu dritt in einer der Duschkabinen und ließen uns gemeinsam Wasser auf den Kopf tröpfeln. In Usbekistan heißt dieses Verfahren “sich duschen” .( Wir haben unsere Haare nie ganz nass bekommen, weil immer ein Teil schon wieder getrocknet war).

 

Eins meiner ganz persönlichen Highlights war es, zusammen mit einem Freund eine Rede auf einer Zwangshochzeit zu halten ( Ist “Zwangshochzeit” das richtige Wort?).
Von Menschen die wir nicht mal kannten.
Aber nun gut, wir als deutsche Abenteurer schreckten vor nichts zurück, hatten in den Tagen zuvor schon ganz anderes erlebt und außerdem-selbst wenn wir wollten, wir hätten uns aus dieser Situation nicht befreien können.Glücklicherweise wurde eine Menge Wodka gereicht und ich glaube zum Zeitpunkt unserer Rede, war mehr als die Hälfte des Raumes nicht mehr ganz zurechnungsfähig.
Was sagt man da also?
“Möge eure Liebe blühen”; “Wir wünschen euch eine glückliche Ehe und viele Söhne”; “Eine Hochzeit ist ein Tag der Freude und wir sind glücklich diesen mit euch erleben zu dürfen…”; “Wir hoffen alles wird besser und Scheidung ist irgendwann keine Schande mehr”…?
Das war eine ziemlich schwere Aufgabe.
Besonders weil die verwöhnte westeuropäische Feministin in mir nach Gerechtigkeit, Gleichheit und Unabhängigkeit für dieses arme Mädchen schrie. (Eigentlich wirkte der Junge genauso verängstigt wie die junge und völlig nervöse Braut).
Aber so etwas wünscht man in Usbekistan nicht. Da muss schon etwas Diplomatischeres, Sexistischeres her.

Hier noch ein paar Stichworte zu Momenten über die ich jetzt lachen muss aber die mich damals oft völlig perplex zurückgelassen haben:
-undefinierbares Etwas auf einem Berg voll Reis vor einer Horde Verwandter runterzwingen
-Fett das am Gaumen trocknet
-Traummanntalk (“großes Büro, großes Auto und joa wäre eigentlich auch ganz schön wenn er ganz nett wäre”)
-Diskussion wer von den Usbeken nun seine Barbies in Deutschland vergessen hat
-eine Reihe Heiratsanträge an verschiedene Mädchen in der Gruppe und die Frage ob es denn normal sei wenn ein Mädchen während eines Heiratsantrags aufs Handy schaut
-endlose Freude über eine funktionierende Klospülung
– in irgendwelche Autos einsteigen die ihr Licht anhatten ( denn so werden Taxis gekennzeichnet)
-der Versuch zu erklären wozu ein Kühlschrank gut ist (Milch und Eier sollten bei 40°C nicht im Holzschrank stehen!!)
-der Versuch anzudeuten, dass eine jahrelange Regentschaft eines Präsidenten ohne immer wieder Wahlen abzuhalten eigentlich nicht mehr sooooo demokratisch ist
– und und und…

 

Es gibt noch ganz viele dieser Geschichten und das macht jetzt sicherlich den Eindruck als wäre Usbekistan die Hölle auf Erden ( ich will es nicht schön reden, währenddessen dachten wir manchmal es wäre tatsächlich so), aber eigentlich war es toll und was ich da erlebt habe gehört zu meinen Lieblingserinnerungen. Ich hatte das Glück, super Menschen so kennenzulernen wie man sonst nur wenige Menschen kennenlernt.
Außerdem ist es ein sehr spannendes, eindrucksvolles Land, wo alte abendländische Traditionen auf die guten alten Sowjetwerte treffen.Aber von meiner Reise nach Usbekistan werdet ihr sicherlich noch mehr hören…

 

 

2 thoughts on “Humor.

  1. Hihi…Dein Humor ist tatsächlich schwarz wie die Nacht…bei totaler Mondfinsternis.
    Freu mich schon auf den nächsten Beitrag.

    Like

  2. Hi, deine Texte sind so erfrischend und weise ;). Ich freue mich auf weitere! Ich freue mich schon auf den Abend, wo wir bei Wein zusammen sitzen werden und ich hoffentlich noch ausgiebiger über deine Abenteuer berichtet bekomme!

    Liked by 1 person

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