Die Geduld.

“Herr, bitte schenke mir Geduld- ABER SCHNELL!”
-wahrscheinlich jeder von uns schonmal-

 

Hallo meine Lieben!

Gestern hatte ich meinem Beitrag ein Zitat vorangestellt und habe mir vorgenommen zu jedem der Schlagwörter in diesem Zitat etwas zu schreiben.

Das erste Thema wäre damit die Geduld die man auf Reisen sehr häufig braucht.

Ich habe länger überlegt in welchen Situationen ich in letzter Zeit Geduld gebraucht habe. Oder in welchen Situationen ich mich hinterher noch über die Sache aufgeregt habe, die von mir Geduld und vielleicht auch Nachsicht erfordert hat.
Mir sind eigentlich erstmal viele Dinge eingefallen. Doch dann wurde mir klar, dass ich mich schon währenddessen eigentlich nicht maßgeblich darüber aufgeregt habe, sondern eher weil ich ja gerade sowieso die Zeit dazu hatte. Und dass ich in den meisten Fällen für meine Geduld belohnt wurde.Gut Ding will Weile haben.

Sicherlich, meine Geduld wird ständig auf eine Zerreißprobe gestellt, aber ich bin eben temperamentvoll. Die Geschichte die mir zuerst eingefallen ist war in Schottland letzten Sommer. Ich hatte relativ früh aus meinem B&B ausgecheckt, denn dieses lag mitten in der Pampa, ohne richtige Straßen und die Besitzerin war sich auch nicht ganz sicher, wo die Bushaltestelle ins nächste Dorf lag, nur dass es ungefähr drei Meilen entfernt sein sollte.
Ich packte also meine Sachen alle wieder in meine viel zu schwere Reisetasche und zog los.

Ich wanderte erst mal gut drei Meilen in die falsche Richtung, bis ich schließlich eine Frau traf die auf einer Farm ihren entlaufenen Hunden nachjagte und sie mir -wie jeder Schotte -den weisen Rat gab: “Go down the road girl. Down the road.”.  Dieser Satz gepaart mit einer vagen Geste in irgendeine Richtung, jagte mir nach wenigen Tagen schon Angst ein. Aber dieses Mal war die Wahl der Richtungen die ich gehen konnte eher beschränkt und ich drehte um und lief eben einfach zurück. Als ich dann endlich eine richtige Straße sah und eine Bushaltestelle (!!), sah ich leider auch schon einen Bus. Ich realisierte erst gar nicht, dass ich mich unbedingt beeilen sollte weil ich auf meinem langen Weg durch den Regen so mit Selbstmitleid und Stöhnen beschäftigt war, vergessen hatte wohin ich überhaupt lief.

Als ich dann schließlich anfing mit den Armen zu rudern und zu rennen hatte der Bus sich längst in Bewegung gesetzt. Nun ja, dachte ich mir. 20 Minuten sitzen könnten ja auch nicht schaden. Es stellte sich aber leider heraus dass dieser Bus nur ca. alle 2 Stunden fuhr und dass die Bushaltestelle zwar überdacht aber dennoch banklos war. Mein leeres Handy erlaubte es mir auch nicht Musik zu hören oder zu Googeln wo lang ich denn laufen müsste, wenn ich laufen wöllte ( gibt es das Wort “wöllte” überhaupt?). Die Zeit schien zu kriechen und als ich die Besitzerin des B&B an mir vorbei ins Dorf fahren sah, hatte ich nicht übel Lust meine idyllische Bushaltestelle auf der Stelle kaputt zu treten. Die pure Frustration stieg in mir hoch. Seit ein paar Tagen hatte ich einige Rückschläge erlebt und ich hatte weder ein Bett für die kommende Nacht noch einen Plan wie es überhaupt weitergehen sollte. Einen Reiseadapter hatte ich erst recht nicht.

Glücklicherweise reise ich auch noch im Zeitalter der modernen Technologien mit unnötig vielen Büchern und die Hälfte meiner Reisetasche war voll davon.
So sehr vertiefte ich mich in einen Krimi, dass ich es doch tatsächlich fertig brachte den zweiten Bus auch noch zu verpassen. Einzig der Aufmerksamkeit und der Freundlichkeit des schottischen Busfahrers, der zurückfuhr und hupte, war es zu verdanken dass ich schließlich mehr oder weniger an mein Wunschziel gelangte.

Aber das war gar nicht die Geschichte, die ich ursprünglich erzählen wollte.
Nein meine Geduld wurde wirklich auf die Probe gestellt als ich in Kuba einen Geldautomaten verwenden wollte.
Nicht nur, dass es furchtbar wenige Geldautomaten in Havanna gibt, Funktionierende sind eine echte Rarität. Das einer von ihnen einmal funktioniert hat, ist keine Garantie dafür, dass das je wieder so sein wird.

Ich hatte das Glück eines dieser Exemplare ausfindig zu machen und reihte mich euphorisch in die Schlange wartender Menschen ein.
Wie es in Kuba nun malst ist  wurde unsere kleine Schlange gleich zu einem großen Happening. Man traf amigos die man schon eeeewiig nicht mehr gesehen hatte, löste Familienstreitigkeiten und entfachte Neue. Normalerweise hätte mir das ja Spaß gemacht, wenn ich nicht dank fehlendem Netz und ausverkauftem Internet eine Nachricht 2 Stunden zu spät bekommen hatte. In diesem Moment in der Schlange sollte ich schon am Strand sein. Es war Kaiserwetter. Und leider brauchte ich das Geld um den Taxifahrer zu bezahlen, denn Havanna selber hat nur eine Promenade. Als ich dann schließlich und endlich nur noch EINE Person vor mir hatte, fing ich an zufrieden zu summen und überlegte schon mit welchem der mir bekannten Taxifahrer ich wohl am günstigsten davonkommen würde und wie zur Hölle ich meine Freunde Pablo und David an einem endlos langen Strand finden sollte. Ab und an schoben die Bankangestellten ein paar ihrer Bekannten vor, damit diese nicht warten mussten- aber hey. Das konnte mich nicht ärgern, ich kannte ja Kuba und ich war auf dem Weg zu, Strand um den Tag mit tollen Freunden zu verbringen.
Aber so ein bisschen ärgerte es mich schon… ich ermahnte mich, mich an meine kubanische Gelassenheit zu erinnern.

Der Mann vor mir schien sich aber ordentlich Zeit zu lassen. Einige hatten schon die Schlange verlassen und die Hoffnung aufgegeben.Mittlerweile stand er da nun schon eine Viertelstunde und ich fing an sein Treiben zu beobachten. Mehrere Bankangestellte kamen zu ihm und erklärten ihm wie der Automat funktionierte.
Hinter mir erfreute sich ein altes deutsches Ehepaar am guten alten Kommunismus und belächelte die geballte Inkompetenz und das Desinteresse des Chefs wohlwollend. Nicht ohne ein paar mitleidig klingende Kommentare zu den armen ungebildeten Kubanern zu machen.
Ich wurde immer unruhiger. Die Bankangestellten, in ihren High Heels, kurzen Röcken,engen Blusen und obszön langen Nägeln diskutierten wild eine Lippenstiftfarbe und ließen den Mann weiter auf den Bildschirm hämmern-obwohl dieser keinen Touch hatte. Ab und an warfen sie uns anderen entweder ein nettes Lächeln oder einen abschätzigen Blick zu. Absolut willkürlich. Jedenfalls schien niemand es für nötig zu halten ihm diese Kleinigkeit mit dem Touchscreen zu erklären.
Andererseits, hat nichts ausser den iPads und Handys der Touristen in Kuba  einen Touchscreen, wie dieser alte Kubaner auf diese Idee kam ist mir also auch immer noch ein Rätsel.

Und dann sah ich es.
Der Mann schob seine Kreditkarte in das Geldfach anstatt in den dafür vorgesehenen und markierten Schlitz.  Und das wiederholte er. Immer und immer wieder.
Ich verlor die Geduld.
Entnervt stürmte ich in die Bank die man mit Flipflops und Sommerkleid zwar nicht betreten durfte, aber ich befand Minikleider für genauso unangebracht und die waren immerhin die Uniform der weiblichen Angestellten.

Geladen marschierte ich auf den ersten freien Schreibtisch zu der mir ins Auge fiel und hielt dem Angestellten wortlos meine Kreditkarte und Kopien meines Ausweises und andere Dokumente ins Gesicht. Normalerweise bekam man nämlich nur so Geld
Er hob nicht mal den Kopf aus seiner Fressschublade.
Als er sich dann doch dazu hinabließ, sagte er mir mit unendlicher Gelassenheit, dass nur Originale akzeptiert würden. Einatmen. Ausatmen.
Schließlich fügte er an, dass er jetzt sowieso Essen würde und dass er eigentlich nicht wüsste wie das funktioniere.
Einatmen. Ausatmen.
Aber ich konnte nicht mehr.
Ich hielt ihm eine ausartende Rede über Diebstahl und Kriminalität in Kuba im Allgemeinen und schließlich über die Ein-und Ausreisebestimmungen. Bis ich schließlich bei den zuständen und der Hilfsbereitschaft der Bank zwei Straßen weiter geendet hatte. Dann ließ ich die Chefin holen.
Im Nachhinein tut er mir ein bisschen Leid.

An dem Tag habe ich nur 20 CUC bekommen, mehr waren nicht da und an den Strand bin ich gar nicht erst gekommen.
Aber ich habe meine Geduld geübt und habe jetzt definitiv eine Anekdote mehr zu erzählen, als wenn alles glatt gelaufen wäre.

 

 

Sooo, das ist jetzt aber viel länger geworden als geplant. Morgen fasse ich mich kürzer!
Da geht es dann um Mut. Ich weiß selber noch gar nicht was ich da erzähle, also werden wir alle überrascht sein!Im schlimmsten Fall wird es ein Artikel über das Fehlen desselbigen.
Wenn ihr Bilder sehen wollt oder noch irgendwelche Fragen habt, ich bin hier!

Gute Nacht!


 

 

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2 thoughts on “Die Geduld.

  1. Du hast dich wirklich sehr in Geduld geübt. Das war bei mir jetzt gar nicht nötig, denn das Lesen deines Eintrages über die Geduld ist so kurzweilig, interessant und humorvoll, dass ich mich schon auf deine nächsten Geschichten freue.

    Liked by 1 person

  2. Liebe Tamara, Geduld ist dein Metier, sei es schottisch oder cubanisch, wobei mir die cubanische doch die entscheidenden Tipps gegeben hat für meine Touren durch Alten-Buseck oder aber sie hat mich freundschaftlich mit unserer neuen Küche verbunden. GO ON! 🙂

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